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Urlaub mit der Erkrankung

Urlaub, das bedeutet für die meisten von uns Erholung und Entspannung. Ein paar Tage fernab der Heimat, Abstand vom Alltag gewinnen und die Seele mal wieder baumeln lassen. Doch mit einer Erkrankung ist reisen nicht immer ganz einfach.

Da stellen sich Fragen wie: „Darf ich überhaupt wegfahren?“, „Kann ich meine Therapie für den Urlaub unterbrechen?“, „Was ist in Bezug auf Impfungen zu beachten?“ oder „Was passiert, wenn ich medizinische Hilfe im Urlaub benötige?“. Um Ihnen die Reiseplanung zu erleichtern, haben wir einige Tipps unserer „reiseerfahrenen“ Patienten für Sie zusammengestellt.

 

TIPP 1: Bei Unsicherheit ein Kurztrip als Test

Manchmal eignet sich ein Kurztrip (für zwei bis drei Tage), um die eigene Reisefähigkeit zu testen. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl und stellen Sie sich währenddessen zum Beispiel folgende Fragen: „Was macht mir Spaß? Was ermüdet mich? Nehme ich mir zu viel vor?“ Denken Sie daran: Im Vordergrund steht der Genuss! Es ist Ihr Urlaub, zwingen Sie sich daher zu nichts, sondern genießen Sie.

 

TIPP 2: Absprache mit dem Arzt

Bevor Sie in den Urlaub fahren, sollten Sie Ihren Arzt über Ihre Reisepläne informieren. Er kennt Ihren Gesundheitszustand und kann Ihre Reisefähigkeit sicher einschätzen. Gibt er sein Okay, können Sie bedenkenlos in den Urlaub starten. Zusätzlich kann Ihr Arzt Sie zu wichtigen Themen rund um die Reise, wie beispielsweise Impfungen oder Thromboseschutz, beraten.

Wie wichtig das Einverständnis eines Arztes sein kann, haben Sigrid S. und ihr Mann schon selbst erlebt. Das Ehepaar musste sehr kurzfristig eine Reise absagen. Die Reiserücktrittsversicherung weigerte sich jedoch die Reisekosten zu erstatten. Es kam zu einer Klage vor Gericht. „Wir haben unseren Arzt immer in unsere Reiseplanung einbezogen und sein Einverständnis eingeholt. Bei unserer Klage gegen die Versicherung war gerade die Aussage unseres Arztes über die Reisefähigkeit meines Mannes und sein Einverständnis dazu der ausschlaggebende Faktor. Wir haben unser Geld zurückerhalten“, erklärt Sigrid.

 

TIPP 3: Wahl des Reisezieles

UnterwasserWohin soll die Reise gehen? Norden, Süden, Strand, Berge, Camping oder Kreuzfahrt – jeder hat da seine eigenen Wünsche und Vorstellungen. Als Patient unter Therapie ist es jedoch hilfreich, die folgenden Fragen bei der Wahl des Urlaubszieles zu berücksichtigen:

  • Kann die Therapie am Urlaubsort weitergeführt werden?
  • Ist im Notfall kurzfristig eine medizinische Versorgung möglich? Ist ein Arzt oder Krankenhaus in der Nähe?
  • Werden Impfungen für das Reiseland empfohlen? Darf ich diese Impfungen erhalten?
  • Für welches Land ist eine Zusatzversicherung oder eine Auslandskrankenversicherung nötig?

Auch hier lohnt es sich, den Arzt sowie Ihre Krankenkasse mit einzubeziehen.

 

TIPP 4: Versicherungsschutz im Ausland

Fragen Sie am besten bei Ihrer Krankenversicherung nach, wie es mit dem Versicherungsschutz an Ihrem Reiseziel aussieht.

  • Werden die Kosten für eine Behandlung komplett übernommen?
  • Wenn ja, läuft dies einfach über Ihre Versichertenkarte oder müssen Sie die Kosten vor Ort selbst bezahlen und erhalten von der Versicherung eine Rückerstattung?
  • Sind zusätzliche Dokumente nötig? Beispielsweise kann es für Reisen in Länder der Europäischen Union sinnvoll sein, sich von der Krankenlasse eine „Europäische Krankenversicherungskarte“ ausstellen zu lassen.
  • Ist eine private Auslandskrankenversicherung nötig? Auch hier lohnt es sich, den Arzt sowie Ihre Krankenkasse mit einzubeziehen.
  • Werden die Kosten für einen Krankenrücktransport übernommen?

Auch das Bundesministerium für Gesundheit informiert über die Voraussetzungen einer Kostenübernahme von Behandlungen im Ausland: www.bundesgesundheitsministerium.de

 

TIPP 5: Mitnahme von Medikamenten

Denken Sie immer an Ihre ganz individuelle Reiseapotheke. Neben den Standardmedikamenten gegen Schmerzen, Durchfall und Mückenstiche sollte diese auch Ihre Nierenkrebs-Medikamente in ausreichender Menge enthalten. Gerade für eine Reise ins fremdsprachige Ausland ist es ratsam, die Beipackzettel zusammen mit den Medikamenten im Handgepäck mitzunehmen. Im Falle eines Notfalls sind die Ärzte vor Ort dadurch schnell über Ihre Therapie informiert. Die Mitnahme eines Patientenpasses, in dem Ihr individueller Therapieplan eingetragen ist (z.B. das Einnahmeschema der unterschiedlichen Medikamente), kann im Notfall ebenfalls hilfreich sein. Besondere Vorsicht ist beim Mitführen von Schmerzmitteln geboten, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen: Hier benötigen Sie von Ihrem Arzt eine „Bescheinigung über die Mitnahme von Betäubungsmitteln bei Auslandsreisen“. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bietet auf seiner Webseite ein Formular für die Mitnahme von Schmerzmitteln zum Download an: www.bfarm.de

 

TIPP 6: Impfungen

Für einige Urlaubsziele werden spezielle Impfungen empfohlen. Sprechen Sie rechtzeitig vor Reisebeginn mit Ihrem Arzt, welche dieser Impfungen für Sie möglich und sinnvoll sind. Länderspezifische Informationen zu Impfungen
finden Sie außerdem auf den Internetseiten des Auswärtigen Amtes.

 

TIPP 7: Sonnenschutz

SonnenschutzEinige der Medikamente für Nierenkrebs-Patienten machen die Haut empfindlicher gegen Sonneneinstrahlung oder verhindern eine Bräunung der Haut. Dadurch wird die Gefahr eines Sonnenbrands erhöht. Ist dies bei Ihnen der Fall, achten Sie bitte auf guten Sonnenschutz. Wählen sie eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor und bleiben Sie lieber nicht zu lange in der Sonne. Auch die Wahl der Kleidung ist entscheidend: Versuchen Sie die Haut weitestgehend zu bedecken, tragen Sie besser lange Ärmel anstatt kurze und denken Sie an eine Kopfbedeckung. Sollte Ihre Haut derzeit sehr sonnenempfindlich sein, ist es ratsam, vielleicht keinen reinen Strandurlaub zu planen. Aber auch im Hochgebirge kann die Sonneneinstrahlung sehr intensiv sein, und ein guter Schutz ist äußerst wichtig. Also auch beim Wandern den Sonnenschutz nicht vergessen.

 

TIPP 8: Regelmäßige Bewegung bei langen Reisen

Fernreisen sind oft verbunden mit langem Sitzen. Dadurch kann sich Lymphflüssigkeit in den Beinen ansammeln, sie schwellen an und schmerzen. Auch erhöht sich die Gefahr eines Blutgerinnsels in den Beinvenen, eine so genannte Thrombose, wenn man lange sitzt und die Beine nicht bewegt. Achten Sie daher am besten auf regelmäßige Pausen mit Bewegung. In der Bahn, im Bus und im Flugzeug können Sie aufstehen und etwas umherlaufen. Ist dafür kein Platz, sind gymnastische Übungen, die Sie sitzend machen können, ratsam. Sie können z.B. abwechselnd die Zehen anziehen und wieder ausstrecken oder die Beine anwinkeln und wieder strecken. Durch diese Übungen regen Sie die Durchblutung in den Beinen an, und der Lymphfluss wird in Schwung gebracht. Außerdem ist es empfehlenswert, bei langen Reisen spezielle Reise-Kompressionsstrümpfe zu tragen und allgemein enge, einschnürende Kleidung zu vermeiden. Besteht bei Ihnen ein erhöhtes Thromboserisiko, sprechen Sie vor der Reise mit Ihrem behandelnden Arzt. Eventuell kann eine vorbeugende medikamentöse Therapie nötig sein.

 

TIPP 9: Unverträglichkeiten und Allergien

Haben Sie Allergien oder vertragen bestimmte Lebensmittel nicht gut? Unser Tipp: Lassen Sie sich die passenden Wörter dazu in die Landessprache übersetzen. Nehmen Sie den Zettel mit diesen Fachbegriffen mit auf Ihre Reise. So sind Sie im Hotel oder beim Restaurantbesuch bestens gerüstet.

 Wanderschuhe

TIPP 10: Bequeme Kleidung und „eingelaufene“ Schuhe

Manche der Nierenkrebs-Therapien verursachen Hautirritationen sowie das sogenannte Hand-Fuß-Syndrom. Dabei bilden sich Blasen an Händen und Füßen, die betroffenen Hautstellen sind empfindlich und können stark schmerzen.

Packen Sie daher am besten bequeme Kleidung ins Reisegepäck und vor allem Schuhe, die bereits getragen wurden. Sollten Sie sich speziell für den Urlaub ein Paar neue (Wander-) Schuhe gekauft haben, ist es ratsam, diese bereits zu Hause gut einzulaufen.