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Neues vom ASCO GU 2019

Neues vom ASCO GU 2019

Beim diesjährigen Genitourinary Cancers Symposium der American Society of Clinical Oncology (ASCO-GU-Kongress) in San Francisco (14.-16. Februar 2019) trafen sich, wie jedes Jahr, Experten aus der Uroonkologie, um über Neues auf dem Gebiet der urologischen Krebserkrankungen zu berichten. Samstag, der 16. Februar, war fast ausschließlich dem Thema "Nierenkrebs" gewidmet. Im Folgenden haben wir die wichtigsten Studienergebnisse und Erkenntnisse des ASCO GU rund um die Behandlung der metastasierten Erkrankung zusammengefasst.

 

Kombinationstherapien mit Immuncheckpoint- und Tyrosinkinase-Hemmern: Neuer Standard in der Behandlung der metastasierten Erkrankung?

Im Fokus der Wissenschaft standen in den vergangenen Monaten die so genannten Kombinationstherapien. Dabei werden zur Behandlung des Nierenzellkarzinoms zwei verschiedene Wirkstoffe zusammen eingesetzt. Im Fall der beim ASCO GU vorgestellten Studien handelt es sich dabei jeweils um ein Zusammenspiel aus einem Wirkstoff aus der Gruppe der Immuntherapien, einem so genannten Immuncheckpoint-Hemmer sowie einem Medikament das zielgerichtet wirkt (einer Target-Therapie), hier ein Tyrosinkinase-Inhibitor.

An der Phase-3-Studie „KEYNOTE 426“ nahmen 861 Patienten mit einem zuvor unbehandelten, fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom teil. Die Patienten wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: Die erste Gruppe wurde mit einer Kombination aus dem Immuncheckpoint-Hemmer Pembrolizumab und dem Tyrosinkinase-Hemmer Axitinib behandelt. Diese Kombinationstherapie ist bisher nicht zur Behandlung von Nierenkrebs zugelassen. Die Vergleichsgruppe erhielt eine Behandlung mit dem Tyrosinkinase-Hemmer Sunitinib – eine bereits zugelassene Standardtherapie für das Nierenzellkarzinom.

 

Ziel der Studie war die Betrachtung des Gesamtüberlebens sowie der progressionsfreien Zeit, das heißt der Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung, im Vergleich beider Gruppen. Beide Endpunkte der Studie, das Gesamtüberleben sowie die progressionsfreie Zeit, waren signifikant (statistisch eindeutig) besser in der Pembrolizumab-Axitinib-Gruppe. Darüber hinaus zeigten 6 Prozent der Patienten unter der Kombinationstherapie eine komplette Remission (das heißt die Erkrankung konnten radiologisch nicht mehr nachgewiesen werden).

Schwerwiegende Nebenwirkungen von Grad 3 oder mehr traten bei rund 76 Prozent der Patienten der Pembrolizumab-Axitinib-Gruppe und 71 Prozent der Patienten der Sunitinib-Gruppe auf. Die Zahl unerwünschter Wirkungen ist also in beiden Gruppen ähnlich. 8,2 Prozent der Patienten in der Kombinationsgruppe mussten die Studienteilnahme wegen zu starker Nebenwirkungen abbrechen, in der Sunitinib-Gruppe lag die Zahl der Abbrecher bei 10,1 Prozent. Verglichen mit der „Checkmate 214“ Studie (Das Lebenshaus berichtete link), bei der nur Patienten aus der mittleren und hohen Risikogruppe von der Kombination von Ipilimumab und Nivolumab gegenüber Sunitinib profitiert haben, gab es bei der Kombination Pembrolizumab und Axitinib Vorteile in allen Risikogruppen. Das heißt auch Patienten mit geringem Risiko profitieren von dieser Kombination.

Laut Experten könnte die Kombinationstherapie daher neuer Behandlungsstandard des metastasierten Nierenzellkarzinoms werden. Eine Zulassung in der USA wird (optimistisch) im Juni 2019 erwartet.

In der „JAVELIN RENAL 101“ Studie wurde die Wirksamkeit der Kombination des Immuncheckpoint-Hemmers Avelumab mit dem Tyrosinkinase-Hemmer Axitinib gegen Sunitinib untersucht. An dieser Studie nahmen 886 Patienten mit fortgeschrittenem, metastasierten Nierenzellkarzinom teil.

JAVELIN RENAL 101 war eine sogenannte Erstlinien-Studie, das heißt die Teilnehmer der Studie hatten bis dato keine andere Therapie erhalten, wurden also zum ersten Mal medikamentös gegen Nierenkrebs behandelt. Primäre Endpunkte der Studie waren auch hier das Gesamtüberleben, die progressionsfreie Zeit (Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung) sowie die Ansprechrate, also die Zahl der Patienten, bei denen die Therapie Wirkung zeigt.

Auch die Ergebnisse dieser Studie sind vielversprechend: Die Kombinationstherapie mit Avelumab und Axitinib zeigte Vorteile bezüglich der progressionsfreien Zeit und der Ansprechrate. Bei den Patienten unter Kombinationstherapie konnte die Erkrankung also länger zum Stillstand gebracht werden, als bei den Patienten unter Sunitinib. Auch die Zahl der Patienten bei denen die Therapie überhaupt eine Wirkung zeigte war höher. Bezüglich des Gesamtüberlebens gab es zum Zeitpunkt der Präsentation noch keine Aussage, dieser Endpunkt ist noch nicht erreicht. Von den Studienteilnehmern, die die Kombination erhielten, zeigten 3 Prozent eine komplette Remission, es waren also keine nachweisbaren Zeichen der Erkrankung mehr vorhanden. Etwas weniger als 8 Prozent der Patienten in der Avelumab-Axitinib-Gruppe mussten aufgrund von Nebenwirkungen die Studie abbrechen. Mehr zu JAVELIN RENAL 101 lesen Sie hier: ESMO 2018 - JAVELIN RENAL 101

Diese Kombinationstherapie ist also ebenfalls sehr vielversprechend und man hofft hier auch auf eine schnelle Zulassung in den USA.

 

Beeinflusst das Körpergewicht die Lebensdauer von Patienten unter Immuntherapie?

Eine Studie Kanadischer Forscher, über die beim ASCO GU heiß diskutiert wurde, ging der Frage nach, wie das Körpergewicht (gemessen am Body-Maß-Index) das Gesamtüberleben unter Immuntherapie beeinflusst. Der BMI berechnet sich aus Körpergewicht und Körpergröße (kg/m2) und liegt bei Normalgewicht zwischen 18,5 und 25. Alles darunter wird als Untergewicht bezeichnet, wer einen BMI größer 25 hat, ist übergewichtig. Aus älteren Studien ist bereits bekannt, dass Patienten mit einem höherem BMI (also etwas mehr Gewicht auf der Waage) eine bessere Überlebensprognose unter einer zielgerichteten Therapie mit einem Tyrosinkinase-Hemmer haben. Allerdings war bisher nicht klar, ob der BMI auch Einfluss auf das Gesamtüberleben der Patienten unter Immuntherapie hat.

An der beim ASCO GU vorgestellten Studie nahmen 147 Patienten teil, 31 Prozent mit einem BMI unter 25 (also unter- oder normalgewichtig), 38 Prozent Übergewichtige mit einem BMI zwischen 25 und 30 und 31 Prozent stark übergewichtige (adipöse) Patienten, mit einem BMI höher als 30. Es kam heraus, dass Patienten unter Immuntherapie mit einem höherem BMI (größer 25) signifikant (statistisch eindeutig) länger lebten, als diejenigen mit einem niedrigen BMI. Die Ansprechrate auf die Therapie sowie die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung waren in allen drei Gruppen etwa gleich. Das heißt, das Gewicht scheint das Ansprechen der Immuntherapie nicht zu beeinflussen, lediglich das Gesamtüberleben hängt vom BMI des Patienten ab. Über die Gründe des Zusammenhangs wurde auch viel diskutiert: Experten gehen davon aus, dass die körpereigenen „Reserven" sich positiv auf das Gesamtüberleben auswirken können.

 

Wirken Tyrosinkinase-Hemmer auch noch nach einer Immuntherapie?

Der Frage, wie Tyrosinkinase-Hemmer nach einer Immuntherapie wirken, ist eine Forschungsgruppe aus Houston, USA nachgegangen. Bei dieser Studie mit 70 Teilnehmern erhielten Erkrankte in der ersten Linie, das heißt, als erste Therapie, einen Immuncheckpoint-Hemmer. Nach Versagen der Immuntherapie wurde dann ein Tyrosinkinase-Hemmer verabreicht. Die Tyrosinkinase-Hemmer zeigten auch in der zweiten Linie ein sehr gutes Ansprechen: 52 Prozent der Studienteilnehmer wiesen eine stabile Erkrankung auf, bei 40 Prozent kam es zu einer partiellen Remission (teilweisem Rückgang der Erkrankung) und sogar 1,5 Prozent zeigten eine komplette Remission (die Erkrankung war radiologisch nicht mehr nachweisbar). Bezüglich der Frage, welches der derzeit zugelassenen Medikamente am besten gewirkt hat, gab es von seitens des Forscherteams leider keine Aussage.

 

Wirken Immuntherapien auch bei nichtklarzelligen Nierenzellkarzinomen?

Vielversprechende Resultate liefert die „KEYNOTE 427 Gruppe B" Studie für metastasierte Patienten mit einem nichtklarzelligen Nierenzellkarzinom. In dieser Studie erhielten 165 Patienten mit metastasiertem nichtklarzelligen Nierenzellkarzinom den Immuncheckpoint-Hemmer Pembrolizumab. An der Studie nahmen Patienten teil, die an einem papillären, chromophoben oder an einem nicht-klassifizierten Nierenzellkarzinom erkrankt sind. Die Ansprechrate betrug 25 Prozent, wobei 5 Prozent der Studienteilnehmer eine komplette Remission zeigten. In der Studie sprachen Patienten mit einem papillären Nierenzellkarzinom besser auf die Behandlung mit Pembrolizumab an, als Patienten mit einem chromophoben Nierenzellkarzinom. Hierbei geht es um erste Daten, die suggerieren, dass auch Erkrankte an einem nichtkarzelligen Nierenzellkarzinom durchaus von einer Immuntherapie profitieren können. Weitere Untersuchungen dazu sind sicherlich noch nötig.

Gute Nachrichten gibt es auch von Forschern aus San Diego, USA für nichtklarzellige Patienten sowie für klarzellige Patienten, deren Primärtumor mindestens 20 Prozent sarkomatoide Komponenten aufweist. Diese Art der Erkrankung (sarkomatoide Differenzierung) hat in der Regel eine schlechtere Prognose.

An der beim ASCO GU vorgestellten Phase II Studie nahmen 60 Patienten teil, 42 mit nichtklarzelligen Tumoren und 18 mit Primärtumoren mit sarkomatoiden Komponenten. Die Patienten erhielten alle die Kombination des Immuncheckpoint-Hemmers Atezolizumab mit dem VEGF-Hemmer Bevacizumab. Insgesamt 57 Prozent profitierten von dieser Kombinationstherapie. Weitere Subgruppenanalysen sind notwendig, um herauszufinden, welche der Patienten, mit den so unterschiedlichen Primärtumoren, ein besseres Ansprechen aufweisen.

 

Fazit

Es tut sich viel in der Forschung rund um die Behandlung des Nierenzellkarzinoms und in dem Bestreben neue Therapieansätze zu entwickeln. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Studienteilnehmer, ohne die diese Resultate nicht möglich wären!

 

 

 

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