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ESMO 2018: Eine Zusammenfassung der Neuigkeiten vom Europäischen Krebskongress

ESMO 2018: Eine Zusammenfassung der Neuigkeiten vom Europäischen Krebskongress

Dieses Jahr fand der Kongress der Europäischen Gesellschaft für Onkologische Medizin in der Zeit vom 19. bis 23. Oktober in München statt. Mehr als 26.000 Teilnehmer aus der ganzen Welt kamen dort zusammen, um sich über die neusten Entwicklungen in der Krebsbehandlung auszutauschen.

Auch das Lebenshaus Nierenkrebs war mit dabei, diesmal vertreten durch Dr. Kinga Mathe, Vorstandsmitglied und langjährige Nierenkrebs-Patientin, sowie Karin Kastrati, Dipl. Ernährungswissenschaftlerin und freiberufliche Projektmanagerin beim Lebenshaus. Die IKCC (International Kidney Cancer Coalition) war ebenfalls vor Ort und repräsentierte die Europäischen Nierenkrebs-Organisationen mit einem Informationsstand. Die Vertreterinnen des Lebenshauses konnten die Kolleginnen der IKCC am Stand unterstützen, verschiedene Vorträge zum Thema Nierenzellkarzinom besuchen und nutzten die Gelegenheit sich mit anderen Patientenvertretern über die neuesten Entwicklungen auszutauschen. In der folgenden Zusammenfassung möchten wir Euch berichten, was es beim ESMO Kongress Neues gab.

 

JAVELIN RENAL 101 - vielversprechende Ergebnisse

Die am "heißesten" diskutierte Neuheit auf dem Gebiet des Nierenzellkarzinoms war zweifelsohne die Vorstellung der JAVELIN RENAL 101 Studie (Axitinib + Avelumab im Vergleich zu Sunitinib bei Patienten mit nicht vorbehandeltem metastasierten Nierenzellkarzinom). Professor Robert Motzer vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center, stellte die Ergebnisse dieser Studie vor einem großen und gespannten Fachpublikum sowie zahlreichen Medienvertretern vor.

Die JAVELIN RENAL 101 Studie wurde mit 886 Patienten weltweit durchgeführt. Untersucht wurde dabei die Wirksamkeit einer Kombinationstherapie mit Axitinib und Avelumab im Vergleich zur derzeitigen Standardtherapie mit Sunitinib. Der Tyrosinkinase-Hemmer Axitinib ist bereits in Zweitlinie (also nach Vorbehandlung) für die Behandlung von Nierenkrebs zugelassen. Bei Avelumab handelt es sich um einen neuen Immuncheckpoint-Hemmer. Alle Teilnehmer der Studie hatten ein metastasierendes Nierenzellkarzinom und erhielten bis zu Beginn der Studie keine anderen Medikamente. Das primäre Ziel der Studie war die Untersuchung der progressionsfreien Zeit in beiden Studienarmen. Die Frage war: In welcher Gruppe hat es länger gedauert, bis es zu einem Fortschreiten der Erkrankung kam?

Der Median für die progressionsfreie Zeit in der Gruppe mit der Kombinationstherapie lag bei 13,8 Monaten, gegenüber 8,4 Monaten im Sunitinib-Arm. Auch die objektive Ansprechrate war höher in der Gruppe derjenigen, die die Kombinationstherapie erhalten haben. Demnach trat bei 51 Prozent der Studienteilnehmer in der Gruppe der Kombinationstherapie eine Verkleinerung der Tumormasse auf. In der Sunitinib-Gruppe war dies dagegen lediglich bei 26 Prozent der Teilnehmer der Fall.

Auch wenn diese Studie Positives für die Kombinationstherapie vermutern lässt, gibt es bis jetzt noch keine Aussage darüber, ob diese Art der Behandlung einen Vorteil für das Gesamtüberleben bringt. In Hinblick dessen, dass aktuell auch andere Kombinationstherapien in Studien getestet werden (wie z.B. Pembrolizumab plus Axitinib), werden Informationen über den eventuellen Vorteil dieser Therapie auf das Gesamtüberleben noch mit Spannung erwartet. Bezüglich der Toxizität (schwerwiegenden Nebenwirkungen) gab es gute Nachrichten für die Kombinationstherapie: Nur bei 11 Prozent der Patienten unter Kombinationstherapie traten Autoimmunreaktionen auf, die behandelt werden mussten. Allerdings war die sogenannte Complete Response (= komplette Ansprechrate, also kein Hinweis von Metastasen mehr) in beiden Untersuchungsgruppen relativ gering. Ob die Kombinationstherapie einen Vorteil für das Gesamtüberleben bringt, bleibt noch abzuwarten. Mehr zu JAVELIN RENAL 101 lesen sie z.B. hier:

https://www.monitor-versorgungsforschung.de/news/phase-iii-studie-javelin-renal-101-signifikante-verbesserung

Die sequenzielle Therapie - ein neuer Ansatz?

Bezüglich der sequenziellen Therapie verschiedener Wirkstoffe (also nacheinander verabreicht) in der Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms, wurden beim ESMO Kongress ebenfalls einige Studien vorgestellt. Diese untersuchten die Wirksamkeit bereits zugelassener Medikamente aus der Gruppe der Tyrosinkinase-Hemmer nach Versagen einer Immuntherapie. Bisher gab es nur wenige Daten bezüglich der Frage, womit Patienten behandelt werden können, bei denen es unter einer Immuntherapie zu einem Fortschreiten der Erkrankung kommt. Die gute Nachricht aus den vorgestellten Daten ist, dass diese Patienten erfolgreich mit bereits zugelassenen Wirkstoffen, wie beispielsweise Cabozantinib, Axitinib oder Sunitinib behandelt werden können. Hierbei zeigte Cabozantinib eine etwas längere Wirksamkeit als Sunitinib oder Axitinib. Dies zeigt, dass auch die sequenzielle (nacheinander eingesetzte) Therapie mit bereits zugelassenen Medikamenten wirksam in der Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms sein kann.

Zur Effektivität von Cabozantinib nach einer Behandlung mit einer Immuntherapie lesen sie mehr hier:

https://www.urotoday.com/conference-highlights/esmo-2018/esmo-2018-kidney-cancer/107823-esmo-2018-activity-of-cabozantinib-after-pd-1-pd-l1-immune-checkpoint-blockade-in-metastatic-clear-cell-renal-cell-carcinoma.html

IMmotion 151: Biomarker - welche Therapie für wen?

Neuigkeiten gab es auch bezüglich der Erforschung von Biomarkern, anhand dessen in der Zukunft vorhergesagt werden könnte, welche Therapie für welche Patienten am besten geeignet wäre. Wir haben zurzeit zwei Wirkstoffgruppen, die in der Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms eingesetzt werden: die zielgerichteten Therapien mit Tyrosinkinase-Hemmern und die sogenannte Immuntherapie mit Immuncheckpoint-Hemmern. Wir wissen, dass bei manchen Patienten die zielgerichteten Therapien besser wirken, als die Immuntherapie, bei anderen ist das umgekehrt. Mit der Frage, bei welchen Patienten, welche Therapie am besten wirkt, beschäftigt sich die IMmotion 151 Studie, die derzeit noch nicht abgeschlossen ist. Es gibt jedoch schon Hinweise darauf, dass Patienten, deren Tumoren ein bestimmtes, im Blut messbares Eiweiß produzieren, besser auf eine bestimmte Kombinationstherapie mit einem Immuncheckpoint-Hemmer ansprechen, als auf eine zielgerichtete Therapie. Weitere Daten erwarten wir mit Spannung.
Mehr zu dieser Studie lesen Sie hier:

https://www.esmo.org/Oncology-News/IMmotion151-molecular-correlates-atezolizumab-plus-bevacizumab-vs-sunitinib-mRCC-Rini

Wir danken unseren Kolleginnen von der IKCC für den regen Austausch über die vorgestellten Daten.

 

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