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Aktuelles aus der Wissenschaft: ASCO GU 2021


Infolge der COVID-19-Pandemie fand das diesjährige Symposium für urogenitale Erkrankungen der American Society of Clinical Oncology (ASCO GU) vom 11. bis 13. Februar 2021 virtuell statt. Die Präsentationen können auf der ASCO-Website eingesehen werden. Unsere internationale Partnerorganisation, die International Kidney Cancer Coalition (IKCC), nahm an dem virtuellen wissenschaftlichen Programm teil. Gerne übernehmen wir deren Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse und bedanken uns für den unermüdlichen Einsatz für die Interessen der Nierenkrebserkrankten.  

Bitte beachten: Die folgende Zusammenfassung wurde von Patientenvertretern erstellt und von medizinischen Experten geprüft. Alle enthaltenen Informationen basieren auf öffentlichen Daten, die auf dem Kongress der ASCO GU vorgestellt wurden. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, noch sollen sie als medizinischer Rat verstanden werden. Entscheidungen bezüglich der Therapie sollten immer mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

 

Kombinationstherapien auch weiterhin von Interesse

Fortgeschrittener Nierenkrebs wird heute meist mit einer Kombination aus zwei Medikamenten behandelt. Dabei handelt es sich entweder um eine Kombination aus zwei Präparaten, die das Immunsystem anregen, so genannten Immuntherapien (z.B. Nivolumab und Ipilimumab) oder einem Immuntherapeutikum (Pembrolizumab oder Avelumab) in Verbindung mit einer Tablettentherapie aus der Klasse der Tyrosinkinase-Inhibitoren (kurz: TKI, wie Axitinib, Lenvatinib oder Cabozantinib). Beim ASCO GU 2021 wurden aktualisierte Ergebnisse aus laufenden Kombinationsstudien und Erkenntnisse zu neuen Kombinationen präsentiert.

 

CLEAR-Studie: Lenvatinib plus Pembrolizumab im Vergleich zu Sunitinib

Die Phase-3 Studie konnte zeigen, dass die Kombination aus Lenvatinib (TKI) zusammen mit Pembrolizumab (Immuntherapie) bei zuvor unbehandelten Patienten mit einem fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom zu einem längeren Überleben und einer vermehrten Verkleinerung des Tumors führt, als eine Behandlung mit Sunitinib.

In der Studie wurden 1069 Patienten in drei Gruppen aufgeteilt (siehe Graphik): Eine Gruppe (1) wurde mit Lenvatinib plus Pembrolizumab behandelt, eine andere Gruppe (2) erhielt Lenvatinib plus Everolimus und die dritte (3) Gruppe wurde mit Sunitinib behandelt. Bei den Patienten, die mit Lenvatinib und Pembrolizumab behandelt wurden, betrug die progressionsfreie Zeit, also die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung, fast 2 Jahre, verglichen mit 9,2 Monaten unter Sunitinib-Therapie.

Auch die Ansprechrate (definiert als Verkleinerung des Tumors oder Stillstand der Erkrankung) war unter der Behandlung mit Lenvatinib plus Pembrolizumab höher als bei Sunitinib (71% gegenüber 36,1%), wobei bei 16,1% der Patienten unter Lenvatinib plus Pembrolizumab die Tumoren sogar vollständig verschwanden. Zur Gesamtüberlebenszeit unter Therapie lässt sich noch keine Aussage machen, da die Studie noch nicht abgeschlossen ist. Die bisher gesammelten Informationen zeigen jedoch, dass auch die Gesamtüberlebenszeit der Patienten, die mit Lenvatinib und Pembrolizumab behandelt wurden, länger ist als bei Patienten, die Sunitinib allein erhalten haben.

Bei fast allen Studienteilnehmern traten Nebenwirkungen der Behandlung auf. Etwa zwei Drittel der Patienten in der Lenvatinib-plus-Pembrolizumab-Gruppe mussten die Dosis der Medikamente aufgrund von Nebenwirkungen verringern, in der Sunitinib-Gruppe war dies bei etwa der Hälfte der Patienten der Fall. Die Nebenwirkungen der jeweiligen Behandlung waren jedoch nicht unerwartet und durchaus beherrschbar.

Kurz zusammengefasst: „Die Ergebnisse der CLEAR-Studie unterstützen Lenvatinib plus Pembrolizumab als mögliche Erstbehandlung für Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom“, sagte Dr. Motzer vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in den USA. Die große Frage ist jedoch immer noch: Wer sollte diese Kombination erhalten? Vor allem vor dem Hintergrund der vielen neu zugelassenen Kombinationstherapien. Die Daten der CLEAR-Studie sind sehr vielversprechend, aber heute wissen wir leider noch nicht, wie gut die Behandlung vertragen wird. Auch können die Studienergebnisse nur schwer mit den Ergebnissen anderer Kombinationstherapien verglichen werden. Sicherlich ist Lenvatinib plus Pembrolizumab als Erstbehandlung eine attraktive Wahl. Leider schließt sie jedoch eine anschließende Therapie mit anderen Kombinationen wie Pembrolizumab plus Axitinib, Nivolumab plus Cabozantinib oder Nivolumab plus Ipilimumab aufgrund von Zulassungsbeschränkungen aus.

 

Vergleichsstudie verschiedener Kombinationstherapien

Kombinationen aus zwei Immuntherapien (Nivolumab plus Ipilimumab) und Immuntherapie plus TKI werden häufig zur Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms eingesetzt. Leider sind bisher jedoch kaum Informationen verfügbar, die die Wirksamkeit verschiedener Therapiekombinationen in der realen Welt – also außerhalb von Studien, vergleichbar machen. In einer auf dem ASCO GU vorgestellten Studie wurden daher umfangreiche Daten aus einer Datenbank (vom International Metastatic RCC Database Consortium) verwendet, um verschiedene Therapiekombinationen bei zuvor unbehandelten Patienten genauer zu betrachten. Drei Kombinationen aus Immuntherapie plus TKI (Pembrolizumab plus Axitinib, Avelumab plus Axitinib und Nivolumab plus Cabozantinib) wurden dabei mit Nivolumab plus Ipilimumab (Kombination aus zwei Immuntherapien) verglichen.

Insgesamt lagen Daten von 723 Patienten vor: 571 wurden mit Nivolumab plus Ipilimumab behandelt und 152 Patienten mit einer Immuntherapie plus TKI-Kombination. Bei Patienten mit Nierenzellkarzinom mit einer mittleren oder ungünstigen Prognose war die Ansprechrate (Verkleinerung des Tumors) in der Gruppe Nivolumab plus Ipilimumab geringer als unter Immuntherapie + TKI. Ebenso war die Ansprechdauer bei diesen Patienten kürzer als bei denjenigen, die mit der Kombination aus Immuntherapie und TKI behandelt wurden. Allerdings gab es keinen Unterschied in der Zeit bis auf eine andere Behandlung umgestellt wurde, sowie der Gesamtüberlebenszeit. Schwerwiegende immunbedingte Nebenwirkungen, die eine Behandlung mit Medikamenten, so genannten Steroiden erforderten oder eine Verzögerung der Behandlung verursachten, führten zu einer längeren Gesamtüberlebenszeit im Vergleich zu den Patienten ohne Steroide oder Dosisverzögerungen.

Kurz zusammengefasst: Obwohl die Ansprechrate und auch die Ansprechdauer der Patienten mit mittlerer oder ungünstiger Prognose in der Gruppe unter Immuntherapie plus TKI besser war, zeigten sich keine Unterschiede in der Gesamtüberlebenszeit und der Zeit bis zum Beginn der nächsten Behandlung. Schwerwiegende immunbedingte Nebenwirkungen führten zu einer längeren Gesamtüberlebenszeit und zu einer Verlängerung der Zeit bis zur nächsten Behandlung. Sowohl Nivolumab plus Ipilimumab als auch Immuntherapie plus TKI-Kombinationen sind gute Erstlinientherapien für das metastasierte Nierenzellkarzinom.

 

Cabozantinib vielversprechend für das papilläre Nierenzellkarzinom

Vor einiger Zeit konnten Wissenschaftler zeigen, dass ein Protein namens MET (auch als Hepatozyten-Wachstumsfaktor-Rezeptor bezeichnet) das Wachstum und die Entwicklung von Tumoren, insbesondere des papillären Nierenzellkarzinoms, anregt. In einer beim ASCO GU vorgestellten Studien wurden daher die MET-Hemmer Cabozantinib, Crizotinib und Savolitinib mit der Standardtherapie (Sunitinib) zur Behandlung von Patienten mit papillärem Nierenzellkarzinom verglichen.

152 Patienten mit metastasiertem papillären Nierenzellkarzinom, die höchstens eine vorherige Therapie (ohne VEGF- und MET-Inhibitoren) erhalten hatten, wurden in vier Behandlungsgruppen eingeteilt, um entweder mit Sunitinib, Cabozantinib, Crizotinib oder Savolitinib behandelt zu werden.

Das progressionsfreie Überleben (Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung) war bei Patienten, die mit Cabozantinib behandelt wurden (9 Monate), länger als bei Patienten, die mit Sunitinib behandelt wurden (5-6 Monate). Die Ansprechrate betrug bei Cabozantinib 23%, und bei Sunitinib 4%. Savolitinib und Crizotinib verbesserten das progressionsfreie Überleben im Vergleich zu Sunitinib nicht. 69% der Patienten unter Sunitinib, 74% unter Cabozantinib, 37% unter Crizotinib und 39% unter Savolitinib berichteten über schwere oder lebensbedrohliche Nebenwirkungen. Es gab einen Todesfall aufgrund eines Blutgerinnsels (Thromboembolie) in der Cabozantinib-Gruppe.

Kurz zusammengefasst: Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Cabozantinib das progressionsfreie Überleben bei Patienten mit zuvor behandeltem metastasierten papillären Nierenzellkarzinom im Vergleich zur Standardbehandlung mit Sunitinib verbesserte.

 

Neuer HIF-Inhibitor für vorbehandeltes fortgeschrittenes Nierenzellkarzinom

Nierenkrebs weist häufig Mutationen im von Hippel-Lindau (VHL) -Gen auf, was zu hohen Konzentrationen eines Proteins führt, das als Hypoxie-induzierter Faktor oder HIF-2α bezeichnet wird. Dies führt zu einer Reihe von Veränderungen in den Krebszellen und ihrer Umgebung, die das Tumorwachstum begünstigen. Ein neuer Wirkstoff, der so genannte Hypoxie-induzierte Faktor 2α (HIF-2α) –Inhibitor Belzutifan (MK-6482) blockiert die Wirkung von HIF-2α.

In einer kleinen Phase-2-Studie wurde die Sicherheit und Wirksamkeit von Belzutifan in Kombination mit Cabozantinib untersucht. Die Studienteilnehmer erhielten mindestens eine Dosis des Studienmedikaments und wurden für mindestens 6 Monate nachbeobachtet. Die Patienten hatten nicht mehr als zwei vorherige Behandlungen für ihren Nierenkrebs erhalten. Die Ansprechrate betrug 22%, einschließlich 9 Patienten mit einem teilweisen Ansprechen. Bei den meisten dieser Patienten (90,2%) zeigte sich eine Verkleinerung des Tumors. Das progressionsfreie Überleben betrug 16,8 Monate und 95% der Patienten überlebten mindestens 6 Monate. Die Studie ist noch nicht abgeschlossen.

Fast alle Patienten (98,1%) hatten behandlungsbedingte Nebenwirkungen, diese waren jedoch meisten nur leicht bis mittelschwer und konnten gut behandelt werden. Die häufigsten schwerwiegenden Nebenwirkungen, die im Krankenhaus behandelt werden mussten, waren: Bluthochdruck (Hypertonie), niedrige Eisenwerte im Blut (Anämie), Müdigkeit (Fatigue), Veränderungen der Leberenzyme und niedrige Sauerstoffwerte im Blut (Hypoxie). Es gab keine lebensbedrohlichen Nebenwirkungen.

Kurz zusammengefasst: Belzutifan (MK-6482) in Kombination mit Cabozantinib zeigte eine vielversprechende Antikrebsaktivität bei Patienten mit metastasiertem klarzelligen Nierenkrebs, die zuvor bereits mit einer anderen Therapie behandelt worden waren. Allerdings gibt es aufgrund der kurzen Nachbeobachtungszeit bisher nicht viele Langzeit-Informationen von den Patienten in dieser Studie und wir werden sehen, ob sich die Ergebnisse im Laufe der Zeit verändern. Die große Frage ist, ob die Kombination mit Cabozantinib eine bessere Option darstellt als die Verwendung von Belzutifan allein, wie im Folgenden beschrieben.

 

Weitere Follow-up-Daten aus einer früheren klinischen Phase-1 / 2-Studie mit Belzutifan als Monotherapie

In dieser Studie wurde Belzutifan an 55 Patienten getestet, die bereits mehrere Behandlungen gegen Nierenkrebs erhalten hatten. Die Patienten wurden etwa 28 Monate lang beobachtet.
Etwas mehr als die Hälfte der Patienten (55%) zeigte eine stabile Erkrankung, bei 80% der Studienteilnehmer konnte das Medikament die Erkrankung gut kontrollieren. Bei Studienteilnehmern mit einer günstigen Prognose konnte die Erkrankung bei 92% der Patienten durch das Medikament in Schach gehalten werden. Bei Patienten mit mittlerer oder ungünstigen Prognose waren es 76%. Das progressionsfreie Überleben betrug 14,5 Monate, und mehr als die Hälfte der Patienten hatte ein progressionsfreies Überleben von 12 Monaten. Die Ansprechrate betrug 25%, wobei 14 Patienten teilweise auf die Behandlung ansprachen. 60% der Patienten brachen die Behandlung wegen dem Fortschreiten der Erkrankung ab und 4% aufgrund von Nebenwirkungen.
Die häufigsten Nebenwirkungen waren Anämie (76%), Müdigkeit (71%), Atemnot (Dyspnoe, 49%), Übelkeit (36%), Husten (31%) und niedriger Blutsauerstoffgehalt (Hypoxie, 31%). Zwei Patienten hatten schwerwiegende, lebensbedrohliche Nebenwirkungen, die eine Krankenhausbehandlung nötig machten, und vier Patienten verstarben während der Studie. Keine dieser Nebenwirkungen stand im Zusammenhang mit der Behandlung mit Belzutifan.

Kurz zusammengefasst: Belzutifan (MK-6482) ist bei Patienten mit metastasiertem klarzelligen Nierenzellkarzinom gut verträglich und wirksam. Derzeit läuft eine Phase-3-Studie bei Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom, in der Belzutifan mit Everolimus verglichen wird. Wenn diese Studie einen Vorteil gegenüber der Einnahme von Belzutifan gegenüber Everolimus zeigt, wird Belzutifan wahrscheinlich als Behandlungsoption für Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom zugelassen. Allerdings wird dies noch mindestens ein Jahr dauern.

 

Die Kombination aus stereotaktsicher Bestrahlung und Immuntherapie ist vielversprechend

Es wurde gezeigt, dass Pembrolizumab bei der Behandlung des klarzelligen Nierenzellkarznoms mit einer Ansprechrate von 34% und einem progressionsfreien Überleben von 7,1 Monaten wirksam ist. Die stereotaktische ablative Strahlentherapie ist ein Therapieverfahren, bei dem spezielle Geräte verwendet werden, um den Tumor punktgenau zu bestrahlen, das umliegende Gewebe jedoch zu schonen. Die stereotaktische Bestrahlung ist eine Option für Patienten mit metastasiertem Nierenkrebs mit lediglich wenigen Metastasen. Berichtet wurde über die RAPPORT-Studie, eine Phase-1/2-Studie zur Sicherheit und Wirksamkeit von stereotaktischer Bestrahlung in Kombination mit Pembrolizumab.

In der Studie wurden 30 Patienten mit metastasiertem klarzelligen Nierenzellkarzinom untersucht. Die Metastasen der Studienteilnehmer wurden mit einer Dosis stereotaktisch bestrahlt, gefolgt von einer Behandlung mit Pembrolizumab. Vier Patienten hatten eine oder mehrere schwerwiegende behandlungsbedingte Nebenwirkungen, die im Krankenhaus behandelt werden mussten. Es gab keine lebensbedrohlichen Nebenwirkungen oder Todesfälle. Bei 83% der Patienten konnte das Krebswachstum durch die Behandlung gestoppt werden. Das progressionsfreie Überleben betrug 15,6 Monate und das Gesamtüberleben nach 1 und 2 Jahren wurde auf 90% bzw. 74% geschätzt. Nach 2 Jahren waren die Tumoren bei 92% der Patienten nicht wieder gewachsen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kombination von stereotaktischer Strahlentherapie und Pembrolizumab bei einem Nierenzellkarzinom mit lediglich wenigen Metastasen gut vertragen wird und das Wachstum des Krebses gut kontrolliert werden kann. Es wurden langanhaltende Reaktionen auf die Behandlung und eine Verbesserung des Überlebens beobachtet, aber weitere Studien sind erforderlich.

 

POSTER

Poster 308: In den letzten Jahren wurden eine Reihe von Kombinationstherapien für das unbehandelte fortgeschrittene/ metastasierte Nierenzellkarzinom verfügbar. In diesem Poster wurden die laufenden Ergebnisse der klinischen Phase-3-CheckMate-9ER-Studie mit Nivolumab plus Cabozantinib vorgestellt.

Die Kombination aus Nivolumab und Cabozantinib verdoppelte das mediane progressionsfreie Überleben im Vergleich zu Sunitinib (17 Monate gegenüber 8,3 Monaten), und fast doppelt so viele Patienten sprachen auf die Kombination an (54,8% gegenüber 28,4%). Die Kombination führte zu einer Verringerung des Sterberisikos um 34% im Vergleich zu Sunitinib und verdoppelte die Anzahl der vollständigen Reaktionen auf die Behandlung (9,3% gegenüber 4,3% bei Sunitinib). Die Anzahl der Patienten, die aufgrund von Nebenwirkungen die Behandlung abbrachen, war gering (6,6%).

Die Forscher untersuchten auch 75 Patienten mit sarkomatoidem Nierenzellkarzinom, einer seltenen, aber sehr aggressiven Form des Nierenzellkarzinoms. Die Kombination aus Nivolumab und Cabozantinib war bei sarkomatoiden Patienten wirksam, reduzierte das Sterberisiko im Vergleich zu Sunitinib um 64% und verbesserte sowohl das progressionsfreie Überleben (10,3 Monate gegenüber 4,2 Monaten) als auch die Ansprechrate (55,9% gegenüber 22,0%).

Mit einer mittleren Nachbeobachtungszeit von zwei Jahren zeigt Nivolumab plus Cabozantinib weiterhin eine verbesserte Ansprechrate, eine längere progressionsfreie Überlebenszeit und eine längere Gesamtüberlebenszeit im Vergleich zu Sunitinib.

 

In Poster 285 wurde die Lebensqualität von Patienten untersucht, die in der CheckMate-9ER-Studie mit Nivolumab plus Cabozantinib behandelt wurden. Die Patienten wurden etwa 18 Monate lang beobachtet und füllten einen Fragebogen zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität aus. Patienten, die mit Nivolumab plus Cabozantinib behandelt wurden, berichteten von einer verbesserten Lebensqualität mit einer geringeren Auswirkung der Behandlung auf ihr Wohlbefinden, einem geringeren Risiko einer Verschlechterung ihrer Gesundheit und weniger Krebssymptomen im Vergleich zu Sunitinib.

Die Kombination aus Nivolumab und Cabozantinib wurde im Januar 2021 von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) für die Erstbehandlung des fortgeschrittenen Nierezellkarzinoms in Amerika zugelassen und wird derzeit von einer Reihe von Gesundheitsbehörden weltweit geprüft.

 

Poster 309 präsentierte Daten von CheckMate-920 zur Sicherheit und Wirksamkeit von Nivolumab plus Ipilimumab bei Patienten mit fortgeschrittenem nicht klarzelligem Nierenzellkarzinom, einer Patientenpopulation mit weniger guten Aussichten und einem ungedeckten Bedarf an einer wirksamen Behandlung.

CheckMate-920 ist eine klinische Phase-3b/4-Studie mit Nivolumab plus Ipilimumab bei zuvor unbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem nicht klarzelligem Nierenzellkarzinom. Die Patienten wurden bis zu 2 Jahre lang mit der Kombination behandelt oder bis ihr Krebs wieder zu wachsen begann oder sie die Behandlung nicht mehr tolerieren konnten. 52 Patienten wurden behandelt und 28,8% davon hatten sarkomatoiden Nierenkrebs. Die Anzahl der Patienten bei denen sich der Tumor zurückbildete lag bei 19,6%. Zwei Patienten sprachen vollständig auf die Behandlung an und 7 zeigten ein teilweises Ansprechen. 17 Patienten hatten eine stabile Erkrankung. Die Behandlungszeit bis zum erneuten Wachstum der Tumoren (progressionsfreies Überleben) betrug 3,7 Monate und die Gesamtüberlebenszeit 21,2 Monate. Alle Patienten berichteten über Nebenwirkungen, wobei Durchfall / Kolitis und Hautausschlag am häufigsten auftraten.

 

In Poster 313 wurden in der Checkmate-214-Studie auch die Muster des Fortschreitens der Erkrankung bei Patienten erörtert, die mit Nivolumab plus Ipilimumab behandelt wurden. Nach mindestens vierjähriger Nachbeobachtungszeit war der Anteil der Patienten, deren Krebs wieder zu wachsen begann, bei Patienten, die mit Nivolumab plus Ipilimumab (54,4%) oder Sunitinib (52,9%) behandelt wurden, ähnlich. Mit der Kombination aus Nivolumab und Ipilimumab waren 35,5% des Fortschreitens des Krebses auf das Wachstum neuer Metastasen zurückzuführen, während bei Sunitinib nur 25,5% des Fortschreitens auf neue Metastasen zurückzuführen waren. Dies war höher bei Patienten, deren Krebs nach Anzeichen einer Schrumpfung wieder zu wachsen begann (50,7% gegenüber 27,4%).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Fortschreiten aufgrund des Wachstums neuer Läsionen bei Nivolumab plus Ipilimumab im Vergleich zu Sunitinib häufiger auftrat, insbesondere bei Patienten, deren Krebs nach dem Schrumpfen wieder zu wachsen begann.

 

Poster 310: Hirnmetastasen aufgrund eines Nierenzellkarzinoms sind besonders schwer zu behandeln, da Medikamente durch eine Membran, die als Blut-Hirn-Schranke bezeichnet wird, daran gehindert werden, ins Gehirn zu gelangen. In dieser Studie wurde Cabozantinib zur Behandlung von Hirnmetastasen untersucht.

Die Studie untersuchte 69 Patienten mit Hirnmetastasen aufgrund eines Nierenzellkarzinoms. Bei 25 dieser Patienten wuchs der Krebs zu Beginn der Studie. Bei Behandlung mit Cabozantinib ergab sich eine Ansprechrate von 61% für deren Hirnmetastasen, einschließlich einer vollständigen Ansprechrate von 13%. Die Wachstumsrate der Hirnmetastasen betrug bei diesen Patienten nach 6 Monaten 16%. Die Gesamtüberlebenszeit betrug für beide Patientengruppen etwas mehr als 14 Monate.

Zusammenfassend wurde gezeigt, dass Cabozantinib die Größe von Hirnmetastasen reduziert, ohne für das Gehirn toxisch zu sein.

 

In Poster 311 wurde die stereotaktische ablative Strahlentherapie als vielversprechende Behandlungsoption für Nierenkerbs-Patienten mit einer geringen Anzahl von Metastasen beschrieben. Patienten mit metastasiertem Nierenkrebs wurden stereotaktisch bestrahlt, danach wurde die Zeit von der Behandlung bis zum Beginn einer nötigen medikamentösen Therapie gemessen. Nach 12 Monaten hatten 87% der Patienten keine medikamentöse Behandlung begonnen, und bei 79% der Patienten war der Krebs nicht wieder gewachsen. Die Lebensqualität hat sich während der Studie nicht verschlechtert. Die Studie zeigte, dass die stereotaktische Strahlentherapie eine sichere und wirksame Behandlung für das metastasierte Nierenzellkarzinom darstellt, die den Krebs kontrollieren und die Lebensqualität erhalten kann.

 

Danksagung:

Medizinische Gutachter:
Dr. Rachel Giles (NL)
Dr. Michael Jewett (CA)
Dr. Eric Jonasch (USA)

Medizinische Texterin:
Dr. Sharon Deveson Kell (GB)