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Urlaub mit der Erkrankung

Für viele Menschen steht ein Urlaub für Erholung, eine Möglichkeit Abstand zum Alltag und ggf. auch zur Behandlungs-Realität zu bekommen. Zeit alles hinter sich und vor allem die Seele baumeln zu lassen. Doch mit der Diagnose Krebs stellen sich viele Patienten immer wieder Fragen rund um die Erkrankung: Darf ich in Urlaub fahren? Darf ich meine Therapie für den Urlaub unterbrechen? Was ist in Bezug auf Impfungen zu beachten? Und vieles mehr.

Eines vorweg: auch als Krebspatient sind Urlaubsreisen machbar – aber eine gute Reiseplanung ist unerlässlich. Um Ihnen die Reiseplanung zu erleichtern, möchten wir Ihnen wichtige Tipps für die Reisezeit an die Hand geben.

Wichtiges Zusammengefasst:

1. Gespräch mit dem Arzt:

  • Reisetauglichkeit und Unbedenklichkeit (schriftlich bestätigen lassen!),
  • Infektionsschutz (auch Impfungen),
  • Thromboseschutz,
  • Möglichkeit während des Urlaubs eine Therapiepause einzulegen,
  • Möglichkeit Ihre intravenöse Therapie in einer ausländischen Praxis oder Klinik zu bekommen,
  • Bescheinigung für Medikamente (vor allem, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen) und vieles mehr.

2. Gespräch mit der Krankenkasse:

  • Versicherungsschutz für das Reiseziel ausreichend?
  • Wenn nicht, passenden Versicherungsschutz rechtzeitig abschließen.

3. Alle Tipps für Ihre Gesundheit beachten und einfach mal abschalten und genießen!

 

Im Vordergrund steht der Genuss

Jan Fischer, Leiter der Nierenkrebs-Patientengruppe Rhein-Neckar dazu: „Wir haben einen Wohnwagen und Urlaub bedeutet für uns: einfach losfahren, die Zeit genießen, sich nicht überfordern oder unter Erwartungsdruck setzen lassen, sich nicht über kleine Unzulänglichkeiten aufregen (z.B. Wetter), einfach alles auf sich zukommen lassen. Sonst wäre es schade um die Zeit.“

Bei Unsicherheit: Kurztrip als Test

Manchmal eignet sich ein Kurztrip (zwei – drei Tage) um die eigene Reisefähigkeit zu testen. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl und stellen Sie sich z.B. folgende Fragen: Was macht mir Spaß? Was erschöpft mich? Habe ich mir zu viel vorgenommen?
Denken Sie an unseren ersten Tipp: Im Vordergrund steht der Genuss: es ist Ihr Urlaub – zwingen Sie sich zu nichts, sondern genießen Sie.

Absprache mit dem Arzt

Bevor Sie in den Urlaub fahren, sollten Sie Ihren Arzt über Ihren Reiseplänen informieren, denn nur Ihr Arzt kann Ihre Reisefähigkeit sicher einschätzen und somit sein Einverständnis zu Ihren Reiseplänen geben.

Ihr Arzt kann Sie unterstützen und beraten über:

  • Infektionsschutz (siehe auch Impfungen),
  • Thromboseschutz bei langen Reisen,
  • die etwaige Möglichkeit während des Urlaubs eine Therapiepause einzulegen,
  • die Möglichkeit Ihre intravenöse Therapie in einer ausländischen Praxis oder Klinik zu bekommen und vieles mehr.

Wie wichtig das Einverständnis eines Arztes sein kann, haben die Gruppenleiter der Gruppe Ostwestfalen-Lippe erlebt. Sie mussten sehr kurzfristig eine Reise absagen. Die Reiserücktrittsversicherung weigerte sich jedoch den Betrag zu erstatten, die Gruppenleiter klagten vor Gericht. Dazu Sigrid Spitznagel: „Wir haben unseren Arzt immer in unsere Reiseplanung einbezogen und sein Einverständnis eingeholt. Bei unserer Klage war genau die Aussage unseres Arztes über die Reisefähigkeit und das Einverständnis der ausschlaggebende Faktor. Wir haben unser Geld zurückerhalten.“

Reisen während einer Krankschrift

Grundsätzlich ist das Reisen während einer Krankschreibung (Arbeitsunfähigkeit) möglich. Ihre Reisepläne sollten Sie jedoch mit Ihrem Arbeitgeber, der Krankenkasse und Ihrem behandelnden Arzt besprechen.

Wahl des Reiseziels

Foto: Martina Friedl

Reiseziele können nicht unterschiedlicher sein: Norden, Süden, Sonne, Berge, Camping oder Kreuzfahrt, jeder hat eigene Wünsche und Vorstellungen. Bei der Wahl des Reiseziels müssen sich gerade metastasierte Patienten unter medikamentöser Therapie mit folgenden Fragen auseinandersetzen:

  • Wird eine medizinische Behandlung am Urlaubsort nötig sein?
  • Ist eine medizinische Versorgung kurzfristig erreichbar?
  • Werden Impfungen benötigt?
  • Für welches Land ist eine Auslandsreiseversicherung nötig?

Hier lohnt es sich Ihren Arzt sowie die Krankenkasse zu involvieren. Im Allgemeinen würden wir einem Patienten unter Therapie dazu raten sich eher in Gegenden aufzuhalten, wo im Falle eines Problems medizinische Versorgung kurzfristig erreichbar wäre – also KEINE Jeep-Tour durch die Sahara, um ein Extrem-Beispiel zu nennen.

Versicherungsschutz im Ausland

Grundsätzlich werden die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung nur im Inland erbracht. Ausnahmen gibt es aber durch zwischen- und überstaatliche Regelungen. Das Bundesministerium für Gesundheit informiert auf seinen Seiten über die Voraussetzungen einer Kostenübernahme:

http://www.bmg.bund.de/themen/krankenversicherung/leistungen/auslandsversicherungsschutz.html

Auch Ihre Krankenkasse kann Sie bei einem Urlaub im Ausland beraten, denn vielleicht benötigen Sie eine private Auslandskrankversicherung. Fragen Sie daher bei Ihrer Krankenkasse, ob

  • der Versicherungsschutz ausreichend ist,
  • etwaige Behandlungskosten komplett übernommen werden,
  • Vorauskasse gezahlt werden muss oder auch,
  • ein Rücktransport bezahlt werden würde.

Aus einer Pressemitteilung der Europäischen Reiseversicherung (ERV): „Damit die Vorerkrankung ebenfalls in den Reisekrankenschutz mit einbezogen wird, ist es ratsam vor dem Abschluss der Versicherung eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vom behandelnden Arzt einzuholen. Darin soll der Arzt bestätigen, dass die Krankheit so gut eingestellt ist, dass gegenwärtig nicht mit einem Versicherungsfall zu rechnen ist. Darüber hinaus empfiehlt es sich eine zusätzliche schriftliche Bestätigung des Arztes einzuholen, dass gegen Reiseziel, Reisedauer und Art der Reise aus medizinischer Sicht keine Einwände bestehen. Liegen zwischen Versicherungsabschluss und tatsächlichem Reisebeginn mehrere Wochen, sollten Versicherungsnehmer die Bescheinigung unmittelbar vor Reisebeginn erneuern lassen“.

Wichtige Dokumente

Neben den Kontaktdaten für Ihre Krankenversicherung und den Beipackzetteln für wichtige Medikamente bietet der Patientenpass vom Lebenshaus eine gute Möglichkeit für Ärzte sich einen schnellen Überblick über Ihre Erkrankung machen zu können.

Den Patientenpass vom Lebenshaus gibt es bereits seit mehreren Jahren. Er hat die Größe eines Fahrzeugscheins und passt so in jede Brieftasche. So können Sie ihn immer bei sich tragen und im Falle eines Falles sofort vorzeigen. Er enthält nicht nur Informationen über Ihre Erkrankung und Therapie, sondern auch wichtige Kontaktdaten von Ihren Angehörigen und behandelnden Ärzten.

Für das Ausland bieten wir Ihnen unseren Nierenkrebs-Patientenpass auch in English an. Einfach bei uns anfordern oder herunterladen. Sie können dann Ihre Daten in den englischsprachigen Pass übertragen.

pdf Patientenpass_Patient Booklet English (270 KB)

Mitnahme von Medikamenten

Neben einer individuellen Reiseapotheke sollte gerade bei regelmäßig eingenommenen Medikamenten eine rechtzeitige Planung und vor allem ausreichende Versorgung mit Ihren Medikamenten sichergestellt sein. Gerade für eine Reise ins fremdsprachige Ausland sollten Sie die Beipackzettel aufheben und diese zusammen mit den Medikamenten im Handgepäck mit sich führen, so dass im Falle eines Notfalls die Ärzte vor Ort schnell die Wirkstoffnamen erfassen könnten.

Besondere Vorsicht ist beim Mitführen von starken Schmerzmitteln (die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen) geboten: hier benötigen Sie von Ihrem Arzt eine Bescheinigung „Mitnahme von Betäubungsmitteln bei Auslandsreisen“.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bietet auf der Webseite der Bundesopiumstelle ein Formular für EU und weitere Länder an: http://www.bfarm.de/DE/Service/Formulare/functions/Bundesopiumstelle/BtM/_node.html

Dazu ein weiterer Tipp von unseren Gruppenleitern aus Ostwestfalen-Lippe: „Unser Arzt hat uns für das Ausland immer Bescheinigungen für einige Medikamente ausgestellt – manchmal mussten wir diese Bescheinigung sogar vom Auswärtigen Amt oder dem jeweiligen Konsulat gegenzeichnen lassen. Das klappt meist nicht von heute auf morgen. Eine rechtzeitige Planung hat uns sehr geholfen.“

Infektionsschutz und Impfungen

Infektionsschutz und Impfungen sind ein wichtiges Thema besonders für Patienten, die unter Therapie häufig ein geschwächtes Immunsystem haben.

Bei einigen Urlaubszielen werden spezielle Impfungen empfohlen. Grundsätzlich sollten Krebs-Patienten, die eine Therapie einnehmen mit Ihrem behandelnden Arzt über diese Impfungen sprechen. Als Faustregel gilt, dass nur Tot-Impfstoffe verwendet werden sollten.

Jedoch verfügt jeder Arzneimittel-Hersteller über eine medizinische Informationshotline, die Ihr behandelnder Arzt – oder auch Sie selbst – anrufen und fragen können. 

Länderspezifische Informationen zu Impfungen, Gesundheitsrisiken und vieles mehr finden Sie unter: www.fit-for-travel.de

Infektionsschutz fängt bei der Händedesinfektion an, weitere wichtige Tipps zum Infektionsschutz finden Sie auf: www.infektionsschutz.de

Sonneneinstrahlung und Sonnenschutz

Foto: Martina Friedl

Viele der Krebstherapien, die kontinuierlich eingenommen werden müssen, machen die Haut empfindlicher für Sonneneinstrahlung und verhindern außerdem eine Bräunung der Haut, das heißt, die Gefahr des Sonnenbrands ist wesentlich höher. Darauf müssen sich Patienten einstellen: also entsprechend kleiden, Sonnencreme mit hochpotentem Lichtschutzfaktor wählen und nicht zu lange in der Sonne aufhalten. Man sollte keinen Urlaub machen, der schwerpunktmäßig im Sonnenbaden besteht. Aber auch im Hochgebirge sollte man sich gut vor Sonne schützen.

Tipps von Gabi Kollenbroich, Gruppenleiterin Rheinland und Vorstand Nierenkrebs im Lebenshaus:

  • „Nicht am falschen Ende sparen und eine gute Sonnencreme verwenden. Am besten die Verträglichkeit schon vorher testen.
  • Auch bei einer langen Autofahrt den Sonnenschutz nicht vernachlässigen.
  • Tragen Sie eine Kopfbedeckung, da die Kopfhaut sehr empfindlich werden kann.
  • Starker Sonneneinfall kann bei mir zu einem Migräneanfall führen, daher trage ich immer eine Sonnenbrille.“

Trinkverhalten bei Hitze

Leider wird das Trinkverhalten bei Hitze oft nicht angepasst und gerade ältere Personen trinken nicht genügen Flüssigkeit, da sie häufig keinen Durst verspüren. Passen Sie daher Ihr Trinkverhalten auch der Hitze an, denn bei Hitze schwitzt der Körper. Durch das Schwitzen verliert der Körper wichtige Mineralien wie Magnesium, aber auch Elektrolyte.
Hier ein paar allgemeine Tipps für Trinkverhalten bei Hitze:

  • Trinken Sie bevor Sie Durst haben
  • Gute Durstlöscher sind: mineralstoffreiche Mineralwässer, Obst- oder Gemüsesaftschorlen oder auch mal eine Gemüsebrühe
  • Warme Getränke sind besser als eiskalte, da warme Getränke den Kreislauf weniger belasten.

Mehr Informationen über das Trinkverhalten bei Hitze bietet die Bundesärztekammer unter:
http://www.bundesaerztekammer.de/patienten/patienteninformationen-gesundheitstipps/gesundheitstipps/hitze/

Bequeme Kleidung, bereits eingelaufene Schuhe

Gerade wenn ein Patient eine zielgerichtete Therapie einnimmt kann es zu Hautirritationen und ggf. dem sogenannten Hand-Fuß-Syndrom kommen. Packen Sie daher bequeme Kleidung ein und vor allem Schuhe, die bereits eingelaufen sind. Sollten Sie sich speziell für den Urlaub ein Paar neue (Wander-)Schuhe gekauft haben, ist das Einlaufen bereits zu Hause empfehlenswert.

Tipps bei langen Reisen im Sitzen

Fernreisen sind oft verbunden mit langem Stillsitzen. Die üblichen Tipps sind:

  • regelmäßige Pausen mit Bewegung,
  • in Bahn, Bus und Flugzeug aufstehen und ggf. auf der Stelle laufen,
  • sowie das Tragen von speziellen Reise-Kompressionsstrümpfen.

Einige Patienten könnten ein erhöhtes Risiko haben, ein Blutgerinnsel in den Beinvenen zu entwickeln (Thromboserisiko). Sprechen Sie daher auch hier Ihren behandelnden Arzt an, ob Sie ein Thromboserisiko haben und daher in Ihrem Fall ggf. auch eine vorbeugende medikamentöse Therapie nötig ist.

Unverträglichkeiten und Allergien

Haben Sie Allergien oder vielleicht durch die medikamentösen Therapien Unverträglichkeiten auf bestimmte Lebensmittel entwickelt? Unser Tipp: Lassen Sie sich am besten die Wörter in die Landessprache – zumindest aber in Englisch übersetzen.

Oft unterschätzt: bessere Schlafqualität durch eigenes Kopfkissen

Manch einer mag über diesen Tipp milde lächeln, andere fühlen sich angesprochen. Das eigene Kopfkissen wird oft unterschätzt, wenn es um Schlafqualität geht. Hotels bieten heutzutage meist schon verschiedene Kissengrößen und –stärken zur Auswahl an. Natürlich fühlen sich die Hotelkissen jedoch nicht so gut an wie das eigene Kissen zu Hause – dadurch kann die Schlafqualität leiden.

Daher unser Tipp: Wir möchten Sie gerne darin bestärken Ihr eigenes Kissen mitzunehmen – sofern Sie den Platz und die Möglichkeit haben. Es gibt kaum eine einfachere Methode Ihnen ein heimeliges Gefühl zu vermitteln.

Reiserücktrittsversicherung

Das Thema Reiserücktrittsversicherungen scheint schwer lösbar zu sein, denn die meisten Versicherungen schließen den Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung bei bestehender Vorerkrankung aus. Die Voraussetzung für die meisten Reiserücktrittsversicherungen ist, dass die Therapie mindestens schon sechs Monate beendet sein muss. Diese Voraussetzung können Patienten unter kontinuierlicher Krebs-Therapie nicht erfüllen.

Tipp von unseren Gruppenleitern aus Ostwestfalen-Lippe: „Wir haben keine separate Reiserücktrittsversicherung. Wir nutzen die Reiserücktrittsversicherung, die in unserem Kreditkarten-Typ automatisch beinhaltet ist. Wichtig ist auch hier die Reisefähigkeit und Unbedenklichkeit vom behandelnden Arzt vor Reiseantritt schriftlich bestätigen zu lassen."

Nach langen Recherchen und Nachfragen hat das Lebenshaus einen Versicherer gefunden, der mit bestehender Vorerkrankung umfassend versichert. Diesen Kontakt können wir Ihnen gerne vermitteln.

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