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NIERENKREBS

Lenvatinib - Kisplyx®

Strukturformel Lenvatinib

 

Wirkstoffname: Lenvatinib
Entwicklungscode: E7080
Handelsname: Kisplyx®, Lenvima®

Ärzte und Apotheker verwenden in Gesprächen häufig die Wirkstoffnamen. Patienten haben dann oft Zweifel, ob sie das richtige Medikament erhalten, wenn auf der Verpackung ein anderer Name steht, daher führen wir hier für Sie alle Namen des selben Medikamentes auf und werden im Weiteren den Wirkstoffnamen verwenden.

Lenvatinib ist ein sogenannter Tyrosinkinase-Hemmer (TKI) und wurde für Therapie des metastasierten Nierenzellkarzinoms in Kombination mit einem mTOR-Hemmer Everolimus nach Versagen einer vorherigen VEGF-Therapie von der europäischen Gesundheitsbehörde EMEA am 22. Juli 2016 zur Zulassung empfohlen. Mehr über die Wirkweise und Zulassung finden Sie weiter unten.

Prof. Dr. Viktor Grünwald gab uns auf dem Deutschen Krebskongress 2016 ein Interview über die Kombination des neuen Wirkstoffes Lenvantinb mit Everolimus.

Prof. Dr. Viktor Grünwald über den Wirkstoff Lenvatinib in Kombination mit Everolimus beim Nierenzellkarzinom




Hinweis: das Laden des Videos braucht manchmal etwas Zeit. Sollte sich das Video jedoch nicht bei Ihnen öffnen, so können Sie dieses Video in unserem Youtube Kanal ansehen.

 

Dosierung

Lenvatinib steht als Hartkapsel zur Verfügung. Everolimus steht als Tablette zur Verfügung. Die empfohlene Dosis von Lenvatinib und Everolimus zur Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms basiert auf den Studiendaten:

  • Lenvatinib 18 mg einmal täglich, Einnahme mit oder ohne Mahlzeit möglich
  • Everolimus 5mg einmal täglich, die Einnahme sollte während oder außerhalb der Mahlzeiten eingenommen werden

In der Studie musste bei 70% der Patienten die Dosis von Lenvatinib aufgrund von Nebenwirkungen reduziert werden.

Wichtig: Im Allgemeinen sagen internationale Experten über Nierenzellkarzinom-Therapien, dass eine Behandlung der Nebenwirkungen vor einer Dosierungsanpassung Vorrang haben sollte. Dieses ist jedoch eine individuelle Entscheidung, die Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt abwägen sollten.

Nebenwirkungsprofil

Studienteilnehmer, die Lenvatinib in Kombination mit Everolimus einnehmen, berichten häufiger über: Durchfall, Erschöpfung (Fatigue), Erbrechen, Schwindelgefühl und Bluthochdruck.

Allgemeine Empfehlung von Patienten für Patienten

Da die Therapie nur einmal am Tag eingenommen werden müssen, ist die Erfahrung vieler Patienten, dass sie mit einer Einnahme der Therapie am Abend besser zurechtkommen

Weitere wichtige Tipps von Patienten für Patienten vor und während der Therapie mit Lenvatinib

  • Überprüfung des Blutdrucks: während der Therapie wird häufig Bluthochdruck (Hypertonie) beobachtet. Bei Bedarf benötigen die Patienten eventuell schon vor der Therapie eine adäquate Bluthochdruckbehandlung.
  • Kontrolle der Schilddrüse: unter der Therapie kann eher eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), seltener eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) auftreten, dabei ist der TSH Wert, aber auch der fT3 und fT4 Wert wichtig.

Wichtige Tipps von Patienten für Patienten vor und während der Therapie mit Everolimus

  • Überprüfung des Blutzuckers: während der Therapie mit Everolimus wird häufig eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) beobachtet. Meist wird eine auf den Patienten abgestimmte Behandlung benötigt. Daher ist eine regelmäßige mindestens wöchentliche Überprüfung des Blutzucker- (Glucose-) und Cholesterinspiegels angezeigt. Der Diabetes mellitus ist mit der Therapie verbunden, das bedeutet das der Diabetes nach Absetzen der Therapie zumeist zurückgeht.
  • Infektionsschutz: unter der Therapie mit Everolimus kann das Immunsystem leiden (immunsuppressive Eigenschaften). Achten Sie auf die richtige Hygiene und probieren Sie z.B. das Händeschütteln mit anderen Personen zu vermeiden. Diese Webseite gibt wertvolle Tipps zum Infektionsschutz: www.infektionsschutz.de
  • Vorbeugung Schleimhautentzündung/Entzüdungen des Mundes: ein simpler Trick - kauen Sie konstant Kaugummi, diese hat sich bei vielen Patienten als wirksame Vorbeugung (Prophylaxe) bei Entzündungen des Mundraums bewährt.

Unsere Mitglieder haben Zugang zu unserer Datenbank "Tipps im Umgang mit Nebenwirkungen".

 

Wichtig: Die Kooperation und Kommunikation zwischen Ihnen und Ihrem Arzt ist der wichtigste Bestandteil während Ihrer Behandlung. Ihr Arzt kann Sie nur optimal unterstützen, wenn er Ihr Befinden genau kennt. Dazu eignet sich das Führen eines Therapietagebuchs, welches Sie hier umsonst bei uns anfordern können.
Im Allgemeinen sagen internationale Experten über Nierenzellkarzinom-Therapien, dass eine Behandlung der Nebenwirkungen vor einer Dosierungsanpassung Vorrang haben sollte. Dieses ist jedoch eine individuelle Entscheidung, die Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt abwägen sollten.

Wechselwirkung

Unter Wechselwirkung versteht man die Beeinflussung des im Blut vorhandenen Wirkspiegels eines Medikaments, wenn andere Substanzen (z.B. Medikamente, Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel) zeitnah eingenommen werden.

Wechselwirkungen entstehen zumeist dadurch, dass verschiedene eingenommenen Substanzen auf die gleiche Art und Weise im Körper abgebaut werden. Insofern sind alle Nahrungsmittel und viele Medikamente potentiell dazu in der Lage, den Stoffwechsel von systemischen Therapien zu beeinflussen. Dabei kann sowohl der Wirkspiegel des Nierenkrebs-Medikaments als auch der Wirkspiegel des anderen Medikaments erhöht oder reduziert werden.

Hintergrund zu Wechselwirkungen

Viele körperfremde Stoffe werden in der Leber über bestimmte Enzyme abgebaut (verstoffwechselt). Dabei ist das in der Leber vorhandene Enzym – Cytochromm P450 3A4 (CYP 3A4) häufig ein zentraler Bestandteil bei der Verstoffwechselung vieler Nierenkrebs-Medikamente, aber auch von zahlreichen, häufig verwendeten Arzneimitteln sowie normale Lebensmittel (Nahrungsergänzungsmittel gehören auch zu Lebensmitteln).

Bitte weisen Sie Ihre behandelnden Ärzte auf die Einnahme Ihres Nierenkrebs-Medikaments sowie aller anderen eingenommenen Medikamente, homöopathischer Mittel, Nahrungsergäzungsmittel hin!

Grundsätzlich muss man bei dem jeweiligen Hersteller nachfragen, wie das Medikament verstoffwechselt wird und diese Tatsache berücksichtigen.

Beispiele für Substanzen, die den Arzneimittel-Spiegel im Blut ansteigen lassen könnten

Es kann sein, dass der Abbau der Medikamente verringert wird, dann würde der Arzneimittel-Spiegel im Blut ansteigen. Das kann unter Umständen zu etwas mehr Nebenwirkungen führen. Grapefruit z.B. kann diese Wirkung haben, darum Vorsicht bei Grapefruit und Grapefruitsäften.

Folgende Substanzen könnten den Wirkspiegel einiger Nierenkrebs-Medikamente erhöhen:

  • Grapefruit/-saft,
  • manche Antibiotika (z. B. Calrithromycin, Erythromycin),
  • manche blutdrucksenkende Mittel (z.B. Amiodaron, Diltiazem, Verapamil),
  • manche HIV Medikamente (z.B. Indinavir, Nelfinavir, Ritonavir),
  • manche Mittel gegen Sodbrennen (z.B. Cimetidin),
  • manche Mittel gegen Pilzinfektionen (z. B. Itraconazol, Ketoconazol, Voriconazol),
  • manche Mittel gegen Übelkeit (z.B. Aprepitant)

Beispiele für Substanzen, die den Arzneimittel-Spiegel im Blut verringern könnten

Viel problematischer ist, wenn der Abbau von dem Medikament durch ein Nahrungsmittel oder ein anders Medikament beschleunigt wird. Das würde zur Folge haben, dass der Wirkspiegel im Blut abnimmt. Dann besteht die Gefahr, dass das Arzneimittel gar nicht richtig wirkt. Das nur scheinbar harmlose Johanniskraut kann den Plasmaspiegel von den systemischen Therapien senken, daher sollten Patienten Johanniskraut (z.B. Tees oder Tabletten gegen depressive Verstimmungen) meiden.

Folgende Substanzen könnten den Wirkspiegel einiger Nierenkrebs-Medikamente reduzieren:

  • manche Antibiotika (z.B. Rifampicin, Rifabutin, Rifapentin),
  • manche Kortison Medikamente (z.B. Dexamethason),
  • manche Medikamente gegen ein Krampfleiden (z. B. Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital),
  • manche Schlafmittel (z. B. Barbiturate)
  • Johanniskraut

WICHTIG! Einige Medikamente gegen Wechseljahrsbeschwerden können Johanniskraut als Wirkstoff enthalten!

Für jedes dieser Medikamente können natürlich noch andere Wechselwirkungen vorliegen.

Führen Sie daher eine Liste über die von Ihnen eingenommen Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel sowie deren Dosierung und legen Sie diese Ihren behandelnden Ärzten vor.

Am Besten eignet sich dazu unser Patientenpass, den Sie über unser Kontaktformular anfordern können.

 

Hier erfahren Sie mehr über den wissenschaftlicher Hintergrund zu Lenvatinib in Verbindung mit Everolimus

Was bedeutet Target-Therapie, TKI, Tyrosinkinasehemmer?

  • Target-Therapie
  • Anti-Angenonese-Hemmer
  • Multi-Tyrosinkinase-Hemmer
  • TKI
  • Tyrosinkinase-Hemmer (Inhibitoren)
  • mTOR-Hemmer

All diese Bezeichnungen sind ein und dieselbe Bezeichung (Synonyme) für die Wirkweise einer bestimmten Art von Krebsmedikamenten.

Unterschied zwischen Chemo- und Target-Therapie

Die Chemotherapie z.B. schädigt bzw. zerstört generell alle schnell wachsenden Zellen in der Teilungsphase (unabhängig vom Krebsbefall). Dieses Vorgehen ist beim Nierenzellkarzinom nicht sinnvoll, da sich diese „Standard-Krebsbehandlungen“ als praktisch unwirksam erwiesen haben.

Mitte 2006 wurden die ersten Vertreter einer neuen Ära von Krebsmedikamenten für das Nierenzellkarzinom in Deutschland zugelassen: sogenannte Target-Therapien (target, engl. = Ziel). Target-Therapien sind Medikamente, die das Wachstum und
eine weitere Streuung des Krebses verhindern sollen.

Im Gegensatz zur Chemotherapie wirken diese Medikamente zielgerichtet auf die Tumorzellen und sind so weniger schädlich für die „normalen“ Zellen unseres Körpers. Sie sollen das Fortschreiten von Nierenkrebs eindämmen und somit eine Lebenszeitverlängerung bei möglichst hoher Lebensqualität ermöglichen.

Das Wissen um die Tumorentstehung bildet den Ansatz für diese neuen Therapien.
Beim Nierenzellkarzinom spielen Wachstumsfaktoren dabei eine große Rolle, da sie auf zweierlei Art zu einer Beeinflussung des Tumors bzw. seiner Metastasierung führen:

  • Zum einen wirken sie in der Krebszelle selbst (Tumorwachstum, Tumorproliferation),
  • zum anderen bewirken sie, dass der Tumor Blutgefäße „anlocken“ kann, wodurch er die für sein Wachstum notwendige Blutversorgung erreicht.

Die Neubildung von Tumorblutgefäßen wird als Neoangiogenese bezeichnet.

Was ist (Neo-) Angiogenese?

Als Angiogenese (griechisch: Gefäßentstehung) bezeichnet man das Wachstum von kleinen Blutgefäßen (Kapillaren). Die Angiogenese ist bei Krebs von erheblicher Bedeutung.
Solide Tumoren, wie das Nierenzellkarzinom, sind abhängig von einem mitwachsenden Kapillarnetz, das den Tumor mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Je größer der Tumor wird, desto mehr Blutgefäße müssen entstehen, um die Tumorzellen zu versorgen. Diese gesteigerte Angiogenese der Tumoren wird durch eine Signalübermittlung der Tumorzellen an das normale Umfeld gefördert. Hierbei entsenden die Tumoren ein Eiweiß (Protein), z.B. den Wachstumsfaktor VEGF. VEGF stimuliert das Wachstum bestimmter Zellen, um neue Gefäße zu bilden.

Dieser Wachstumsfaktor möchte sich an eine Andockstelle für Wachstumsfaktoren – den sogenannten Rezeptor – binden. Diese befinden sind an der Oberfläche einer Zelle. Wenn der Wachstumsfaktor an den Rezeptor andockt, wird dadurch ein Signal ausgelöst. Das Signal wird über viele Zwischenschritte (Signalkaskade) an den Zellkern weitergegeben.

Angiogenese

 

Dabei spielen bestimmte Eiweiße eine besondere Rolle, die sogenannten Tyrosinkinasen. Sie sorgen dafür, dass das aufgenommene Signal im Zellinneren weitergeleitet wird. Diese Signalkaskade ist notwendig, um verschiedene Gewebe im Organismus, wie z.B. Blutgefäße, Bindegewebe oder Nervengewebe, auszubilden.

Kurzgesagt: Nach Bindung an den Rezeptor erfolgt das Signal des Wachstumsfaktors VEGF. Dies bewirkt eine Aktivierung im Zellkern und in der Folge, die Entwicklung neuer Blutgefäße. VEGF sorgt somit für die Ausbildung einer eigenen Blutversorgung des Tumors, die für den Tumor ab einer Größe von ca. 0,2 mm überlebensnotwendig ist. Je größer der Tumor wird, desto größer wird die Zahl der Blutgefäße, um die Tumorzellen zu versorgen.

Was ist Anti-Angiogenese?

Eine Methode zur Verhinderung der Gefäßneubildung heißt Anti-Angiogenese. Da der Tumor ohne neue Blutgefäße nicht weiter wachsen kann, wird versucht die Gefäßneubildung mit Wirkstoffen in Form von Angiogenese-Hemmern (Inhibitoren) zu verhindern. Dabei können diese „Hemmer“ an verschiedenen Stellen ansetzen (unterschiedliche Wirkmechanismen): bei einer Unterbrechung des Ablaufs der Produktion von Wachstumsfaktoren bis zum Signal, das an den Zellkern gesendet wird.

Für das Nierenzellkarzinom sind mehrere Medikamente zugelassen, die auf unterschiedliche Art und Weise Einfluss auf die Tumorzelle und ihr Wachstum haben. Auf dieser Seite erklären wir Ihnen den Wirkmechanismus der Tyrosinkinase-Inhibitoren.

Wirkmechnismus TKI - Tyrosinkinase-Hemmer

Bindet ein Wachstumsfaktor an den entsprechenden Empfänger (Rezeptor) an der Zelloberfläche, wird eine Übertragungskette im Inneren der Zelle in Gang gesetzt, die das Signal an den Zellkern weiterleitet.
Diese Weiterleitung wird unterbunden, indem der Rezeptoranteil, der ins Zellinnere reicht – die sogenannte Tyrosinkinase – gehemmt wird.
Die Signalübermittlung kann nicht gestartet werden. Medikamente, die auf diesem Wirkprinzip basieren nennt man daher auch Tyrosinkinase-Hemmer. Die für das Nierenzellkarzinom zugelassenen Tyrosinkinase-Hemmer blockieren (inhibieren) mehrere Signalwege gleichzeitig. Aus diesem Grund bezeichnet man sie auch als Multi-Tyrosinkinase-Inhibitoren (kurz TKIs).

Wirkmechanismus TKI


Durch die Fähigkeit, mehrere Rezeptoren zu hemmen, weisen Tyrosinkinase-Inhibitoren sowohl eine direkte als auch eine indirekte Antitumoraktivität auf. Diese Wirkstoffe unterbinden einerseits die Zellteilung (Proliferation) der Tumorzellen, unterbrechen andererseits aber auch die Gefäßentstehung (Tumorangiogenese) - also die Blutversorgung des Tumors und hungern ihn damit aus. Die Erkrankung soll in einen chronischen Zustand überführt werden.

Auf diesem Prinzip basieren Wirkstoffe wie Axitinib (Inlyta®), Cabozantinib (Cabometyx®), Lenvatinib (Kisplyx®), Pazopanib (Votrient®), Sorafenib (Nexavar®) und Sunitinib (Sutent®).

Lenvatinib greift an verschiedenen Stellen der Signalübertragung an, z.B. an verschiedenen Vascular Endothelial Growth Factor Rezeptoren (VEGF-R -1, -2, -3), Fibroblast growth factor (FGF-R 1-4), RET, c-KIT und andere.

Durch die Hemmung dieser verschiedenen Tyrosinkinasen, die an der Entstehung, dem Wachstum von Tumoren und an der Gefässneubildung beteiligt sind, kann Lenvatinib in Kombination mit Everolimus daher möglicherweise das Tumorwachstum aufhalten oder verlangsamen.

Ziel ist es, die Erkrankung soll in einen chronischen Zustand zu überführen.

Hintergrund:
Wirkstoffe, die den Wachstumsfaktor VEGF (z.B. Bevacizumab), seine Rezeptoren (z.B. Axitinib, Cabozantinib, Lenvatinib, Pazopanib, Sorafenib, Sunitinib) oder auch mTOR (z.B. Everolimus, Temsirolimus) hemmen, sind seit Jahren Standard in der Therapie beim metastasierten Nierenzellkarzinom. Auch wenn die Behandlung mit den bereits zugelassenen Wirkstoffen in der Erstlinien-Therapie sehr effektiv sind, entwickeln viele Patienten nach einer Zeit eine Resistenz gegen ihre Therapie: die Medikamente verlieren ihre Wirksamkeit, die Erkrankung schreitet fort (Progress).

Schon seit längerer Zeit ist bekannt, dass nicht nur der Wachstumsfaktor VEGF sondern auch ein anderer Wachstumsfaktor - der sogenannte Fibroblast Growth Factor (FGF) - eine Rolle bei der Resistenz gegen Therapien beim metastasierten Nierenzellkarzinom eine Rolle spielt.

Der Wirkstoff Lenvatinib ist ein so genannter Multikinase-Hemmer, weil er verschiedene Tyrosinkinasen hemmt, die in den Wachstumsprozess der Zelle involviert sind. Der Wirkstoff unterbindet einerseits die Zellteilung (Proliferation) der Tumorzellen, unterbricht andererseits aber auch die Blutversorgung des Tumors und hungert ihn damit aus. Ziel ist es, die Erkrankung soll in einen chronischen Zustand zu überführen.

Everolimus ist ein so genannter mTOR-Hemmer und bereits zur Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms nach Versagen von VEGFR-Therapie zugelassen. Lesen Sie mehr über Everolimus hier.

Wirkmechnismus mTOR Hemmer

mTOR ist ein Bestandteil einer Signalkaskade innerhalb der Zelle – ein sogenanntes Schlüsselenzym. mTOR reguliert die Entwicklung, das Wachstum und die Versorgung gesunder Zellen. Beim Nierenzellkarzinom ist die Aktivität von mTOR übermäßig stark erhöht, so dass Tumorzellen unkontrolliert wachsen und sich vermehren.

Um die Aktivität von mTOR zu regulieren, werden mTOR-Hemmer (Inhibitoren) eingesetzt. mTOR-Hemmer binden an das Enzym mTOR, und unterdrücken so dessen Aktivität. Dadurch wird die Signalkaskade innerhalb der Zelle an einer Stelle unterbrochen – das Signal gelangt nicht an den Zellkern und die Zellteilung kommt nicht zustande. Die Erkrankung soll in einen chronischen Zustand überführt werden.
Für das Nierenzellkarzinom zugelassene mTOR-Hemmer heißen: Everolimus (Afinitor®) und Temsirolimus (Torisel®).

Wirkmechanismus mTOR

Eine Übersicht wann dieses Medikament verschrieben werden kann finden Sie auch in unserem Artikel: Einsatz der Medikamente

Zulassung

Lenvatinib ist ein Multi-Tyrosinkinase-Inhibitor, der nicht nur den Wachstumsfaktor VEGF sondern u.a. auch den Wachstumsfaktor FGF (Fibroblast growth factor) blockiert.

Der Wirkstoff Lenvatinib ist in Deutschland seit Mai 2015 unter dem Namen Lenvima® für die Behandlung von Patienten mit differenziertem Schilddrüsenkarzinoms unter bestimmten Bedingungen zugelassen, wie z.B.

  • der Krebs muss seinen Ursprung in den follikulären Schilddrüsenzellen haben,
  • außerdem muss dieser lokal fortgeschritten sein oder Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet haben
  • und auf eine vorherige Therapie mit radioaktivem Jod nicht angesprochen haben.

Der Wirkstoff Lenvatinib wurde auch für das metastasierte Nierenzellkarzinom in Studien getestet. Lenvatinib in Kombination mit Everolimus hat in einer früheren, einarmigen Studie bereits Aktivität bei stark vorbehandelten Nierenzellkarzinom-Patienten gezeigt. In einer weiteren Phase-II-Studie (Studienname: 205) wurden Patienten zur medikamentösen Therapie in 3 verschiedene Studienarme unterteilt:

In jedem Arm wurden ca. je 50 Patienten aufgenommen. Die Ergebnisse wurden auf dem ASCO 2015 vorgestellt und zeigten den ersten Erfolg für eine Kombinations-Therapie von zwei Wirkstoffen beim Nierenzellkarzinom: Die Anwendung von Lenvatinib in Kombination mit Everolimus führte zu einem signifikant längeren progressionsfreien Intervall (PFS) als bei einer Monotherapie der jeweiligen Medikamente.

Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat die Kombinations-Therapie Lenvatinib mit Everolimus zur Behandlung des Nierenzellkarzinoms in der Zweitlinie für Amerika zugelassen.

Am 22. Juli 2016 gab die Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) die Empfehlung zur Zulassung für das Nierenzellkarzinom - bedeutet eine Erweiterung der Zulassung für den Wirkstoff Lenvatinib in Kombination mit Everolimus (Afinitor®) zur Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms. Für die Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms wurde der Wirkstoff Lenvima mit dem Handelsamen Kisplyx® versehen.

 

Unser Unterstützungsangebot an Sie

Wir sind Patienten und Angehörige. Wir bieten Ihnen nicht nur virtuelle Informationen, sondern reale Unterstützung: eigene Erlebnisse und Erfahrungen aus dem Alltag mit der Erkrankung und der Therapie. Wir bieten wir Ihnen Hilfestellungen in verschiedenen Formen an:

Neben unseren patientengerechten Informationsbroschüren über die Erkrankung bieten wir verschiedene Materialien an, um Sie optimal bei der Therapie zu unterstützen:

  • Therapietagebuch
  • Patientenpass

Diese können Sie bei uns telefonisch oder über das Kontaktformular anfordern.

Unsere Mitglieder haben Zugang zu unserer Datenbank "Tipps im Umgang mit Nebenwirkungen".

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