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NIERENKREBS

Atezolizumab - Tecentriq

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Wirkstoffname: Atezolizumab
Entwicklungscode: MPDL3280A
Handelsname: Tecentriq®

Ärzte und Apotheker verwenden in Gesprächen häufig die Wirkstoffnamen eines Medikaments. Das kann zu Verwirrungen führen, daher führen wir hier für Sie alle Namen auf und werden im Weiteren den Wirkstoffnamen verwenden.

Bei Atezolizumab handelt es sich um eine neue Art der immunonkologischen (IO) Therapie - es ist ein sogenannter Immuncheckpoint-Hemmer. Er blockiert den sogenannten PD-L1 Checkpoint.

Lesen Sie mehr über Immunonkologie.

Atezolizumab ist noch nicht für die Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms zugelassen, es gibt in Deutschland jedoch eine laufende Kombinationsstudie mit diesem Wirkstoff und Bevacizumab (Avastin®). Bevacizumab ist ein Wirkstoff, der in Verbindung mit Interferon alpha (Roferon®) bereits zur Behandlung des Nierenzellkarzinoms zugelassen ist. Die laufende Studie für das metastasierte, unbehandelte Nierenzellkarzinom wird untenstehend beschrieben. Darüber hinaus finden Sie weitere Informationen auch im Studienregister vom Lebenshaus.

 

Voraussetzung für die Studie mit Atezolizumab

Diese Studie ist eine Erstlinientherapie-Studie, das bedeutet sie kommt nur für Patienten in Frage, die noch keine medikamentöse Nierenkrebs-Therapie bekommen haben. Es gibt jedoch noch weitere Voraussetzungen, die ein Patienten erfüllen muss - sogenannte Ein- oder Ausschlußkriterien. Eine Auswahl stellen wir Ihnen im Folgenden vor.

Letztendlich kann jedoch nur der Prüfarzt entscheiden, ob Sie für diese Studie in Frage kommen.

Einschlußkriterien

Patienten, die an der Studie IMmotion151 teilnehmen möchten, müssen u.a. folgende Kriterien erfüllen:

  • der Nierenzellkarzinom-Tumor muss eine klarzellige Histologie oder mit klarzelliger Komponente haben
  • es handelt sich um eine fortgeschrittene oder metastasierte Erkrankung (sie muss meßbar sein)
  • es darf keine vorherige medikamentöse Therapie gegen das Nierenzellkarzinom erfolgt sein
  • der Patient muss einen guten Allgemeinzustand (ECOG 0 oder 1) mit normalen Blutwerten und guter Organfunktion haben

Ausschlußkritierien

Patienten dürfen nicht an der Studie IMmotion151 teilnehmen, wenn u.a. folgende Kriterien vorliegen:

  • Strahlentherapie zur lokalen Behandlung von Nierenkrebs Metastasen 14 Tagen vor Beginn der Behandlung
  • eine aktive oder chronische Hepatitis B oder C
  • eine schwere Entzündung bis zu 4 Wochen vor der Behandlung
  • Einnahme oder Gabe von Antibiotika bis zu 2 Wochen vor der Behandlung

Studienbeschreibung

Atezolizumab befindet sich in Deutschland zur Zeit in einer Erstlininen-Studie - IMmotion151: Atezolizumab (MPDL3280A) in Kombination mit Bevacizumab im Vergleich zu Sunitinib bei Patienten mit unbehandeltem fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom.

Die Phase III-Studie möchte klären, ob die Kombination der neuen immunonkologischen Therapie mit Bevacizumab bei Nierenkrebs besser wirkt, als eine der bisherigen Standardtherapien - in diesem Fall Sunitinib.

Es gibt 2 Studienarme (Gruppen): alle Teilnehmer werden zufällig (von einem Computer) in zwei Gruppen eingeteilt.
Wichtig: Patienten in beiden Gruppen erhalten ein aktives Medikament, es werden keine Placebos verabreicht.

Die Patienten in der einen Gruppe erhalten Bevacizumab in Kombination mit Atezolizumab (MPDL3280A). Die Teilnehmer in der anderen Gruppe werden mit Sunitinib, einem zugelassenen Standardmedikament für das Nierenzellkarzinom behandelt.
  • Bevacizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der zielgerichtet auf VEGF wirkt und bereits für die Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms zugelassen ist
  • Atezolizumab (MPDL3280A) ist ein menschlicher monoklonaler Antikörper der auf PDL-1 abzielt
  • Sunitinib ist ein oraler Tyrosinkinaseinhibitor, der bereits für die Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms zugelassen ist

Die Studienzentren finden Sie in unsererem Studienregister vom Lebenshaus.

Dosierung in der Studie

Die Dosierung der einzelnen Wirkstoffe in der Studie sieht wie folgt aus:

1) Bevacizumab + Atezolizumab (MPDL3280A)
15 mg/kg Bevacizumab wird in Kombination mit 1200 mg Atezolizumab (MPDL3280A) intravenös verabreicht und zwar an den Tagen 1 und 22 jedes 42-Tage Zykluses. Die Gabe der Medikamente erfolgt kontinuierlich, bis es zu einem Fortschreiten der Erkrankung, zu übermäßigen Nebenwirkungen, einem Studienausstieg oder der Beendigung der Studie kommt.

2) Sunitinib:
Sunitinib wird einmal täglich oral eingenommen - kontinuierlich für 4 Wochen, danach sind 2 Wochen Einnahmepause. Auch Sunitinib wird genommen, bis es zu einem Fortschreiten der Erkrankung, zu übermäßigen Nebenwirkungen, einem Studienausstieg oder der Beendigung der Studie kommt.

Studien Design IMmotion151 web

 

 

Hinweis vom Lebenshaus: Sollten Sie die Kombination von Atezolizumab und Bevacizumab in der Studie zugelost bekommen, fragen Sie Ihren behandelnden Arzt, ob die Anlage eines Portkatheters in Ihrem Falle sinnvoll ist, da diese Wirkstoffe regelmäßig als Infusion  verabreicht werden.

Nebenwirkungsprofile

Die Medikamente haben teilweise sehr unterschiedliche Nebenwirkungsprofile. Wir haben hier einige ausgewählte Nebenwirkungen für Sie aufgezählt

Atezolizumab (neuer Wirkstoff)

Im Vergleich zu den bereits zugelassenen zielgerichteten Medikamenten zeigen die neuen Immuntherapeutika im Allgemeinen weniger Nebenwirkungen. Allerdings können sie zu Beschwerden führen, die durch Entzündungsmechanismen im Körper hervorgerufen werden und eine medikamentöse Behandlung nötig machen. Dabei ist es nicht selten, dass sich eigentlich nur leichte Nebenwirkungen relativ schnell verschlimmern. Bereits bei geringen Beschwerden sollte deshalb zeitnah ein Arzt aufgesucht werden.

Wichtig: Wenn Sie eine der neuen Immuntherapie erhalten, sollten Sie nicht versuchen, Nebenwirkungen selbst zu behandeln. Der Einsatz von verschreibungspflichtigen Medikamenten könnte nötig sein. Besprechen Sie dies mit Ihrem behandelnden Arzt!

Folgende Nebenwirkungen sollten Sie umgehend mit Ihrem Arzt besprechen:

  • Atmung: Kurzatmigkeit, erschwertes Ausatmen, Verringerung der Sauerstoffsättigung, Husten, Rasselnde Atmung
  • Haut: Juckreiz, Ausschlag, Abschälen der Haut, Hautabschürfungen
  • Magen-Darm-Trakt: Veränderungen der normalen Darm-Tätigkeit (Verstopfung, Durchfall), Blut oder Schleim im Stuhl, Bauchschmerzen, Schwindel, Erbrechen, Gewichtsverlust
  • Augen: Entzündungserscheinungen im Augenbereich, Einschränkungen des Sehfeldes
  • Neurologisch: sensorische Beschwerden (Kribbeln, Taubheitsgefühl in den Armen/Beinen), motorische Einschränkungen (Probleme beim Gehen, Gleichgewichtsstörungen)
  • Allgemeinzustand: Fieber, Müdigkeit, Abgeschlagenheit (Fatigue), Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Austrocknung (Dehydrierung), Schockzustand, Verhaltensveränderungen, niedriger Blutdruck, Herzrhythmusstörungen
  • Laborwerte (werden vom Arzt festgestellt):
    • Niere: Veränderungen des Kreatinin-Wertes
    • Leber: Auffälligkeiten der Leberfunktion erhöhte Blutwerte (AST, ALT, Bilirubin), Gelbsucht, unnormale Lipase-Werte
    • Schilddrüse: veränderte TSH Werte, Störungen im Elektrolythaushalt

Gut zu wissen: Nebenwirkungen können teilweise auch noch Monate nach Beendigung der Therapie auftreten.

Bevacizumab

Patienten die Bevacizumab einnehmen, berichten häufiger über hohen Blutdruck, Erschöfpung/Müdigkeit, Durchfall und Bauchschmerzen.

Sunitinib

Patienten, die Sunitinib einnehmen, berichten häufiger über Durchfall, hoher Blutdruck, Hautausschlag und Hautreaktionen an Händen und Füßen (das sogenannte Hand-Fuß-Syndrom) sowie Alopezie (Haarausfall) und Müdigkeit. Außerdem kann Sunitinib das Risiko von Blutungen erhöhen, weshalb die gleichzeitige Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten (z.B. Marcumar®) mit dem Arzt abgesprochen werden sollte.

Wie auch bei den anderen Tyrosinkinase-Hemmern gibt es unter der Behandlung von Sunitinib einiges zu beachten: Vor und während der Therapie sollte(n):

  • der Blutdruck überprüft werden, da während der Studien häufig Bluthochdruck (Hypertonie) beobachtet wurde. Bei Bedarf benötigen die Patienten eine Standard-Bluthochdruckbehandlung.
  • die Schilddrüsenfunktion kontrolliert werden, da unter der Therapie eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), seltener eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) auftreten kann.

Hier erfahren Sie mehr über den wissenschaftlicher Hintergrund zu dem Immuncheckpoint-Hemmer Atezolizumab

Wirkmechnismus

Der Wirkstoff Atezolizumab gehört zu einer neuen Art von Krebstherapie - den sogenannten Immuncheckpoint-Hemmern. Checkpoint-Hemmer (oder Checkpoint-Inhibitoren) sind eine der neuesten Formen der Immuntherapie gegen Krebs. Atezolizumab ist ein Immuncheckpoint-Hemmer, der PD-L1 blockiert.

Vielleicht haben Sie die Begriffe "PD-1", "PD-L1" oder auch "CTLA-4" bereits im Zusammenhang mit neuen Nierenkrebs-Medikamenten gehört? Dabei handelt es sich nicht um Medikamenten-Namen, sondern um eine "Gruppe" von Checkpoint-Inhibitoren. Sie umfasst Wirkstoffe wie der jetzt zugelassene Wirkstoff Nivolumab - aber auch andere Wirkstoffe, die sich noch in Studien befinden, wie z.B. Ipililumab, Avelumab etc.

Was sind Checkpoints?

Immunzellen werden von einer Gruppe von Kontrollpunkten - so genannter Checkpoints - reguliert, die für ein ausgewogenes Immunsystem sorgen. Wird zu wenig reguliert, wird das Immunsystem überaktiv und greift den eigenen Körper an; zu viel Regulation und die Immunfunktionen werden beeinträchtigt, Infektionen und Krebserkrankungen können entstehen.

Manchmal machen sich Krebszellen jedoch genau dieses System zu Nutze und verwenden die Checkpoints, um sich vor dem Immunsystem zu „verstecken“. Checkpoint-Inhibitoren sind Arzneimittel (in diesem Fall so genannte Antikörper), die wiederum diese Checkpoints blockieren, so dass das Immunsystem die vorhandenen Krebszellen wieder erkennen und bekämpfen kann.

Bildlich gesprochen: Checkpoints senden Signale und werden u.a. von Immunzellen genutzt, um gesunde Zellen zu erkennen. Eine gesunde Zelle wird erkannt, in dem zwei Signale (Sender und Empfänger) zusammenpassen - sozusagen der Schlüssel in ein entsprechendes Schloss passt. Dieses "Schlüssel-Schloss-Prinzip" können sich jedoch auch Krebszellen aneignen, in dem Sie "freundliche" Signale (Checkpoints) auf ihrer Zelloberfläche platzieren: Sie bieten sozusagen ein eigenes, passendes Schloss an. Die Immunzelle erkennt jetzt die Krebszelle nicht mehr, da der Schlüssel der Immunzelle ja in das Schloss der vermeintlich freundlichen Krebszelle passt.

Immun-Checkpoint-Hemmer blockieren die Bindung des Schlüssels in das Schloss - das Immunsystem erkennt die Krebszelle als Feind und bekämpft diese.

Wird das Wirkprinzip der Checkpoint-Inhibitoren genauer betrachtet, so könnte dies erklären, warum sie bei dem einen Krebs-Patienten eine Besserung der Erkrankung bringen, beim anderen jedoch nicht helfen. Anscheinend wirken die Checkpoint-Hemmer nur dann, wenn das Immunsystem bereits alarmiert und aktiviert ist und versucht, den Krebs selber zu bekämpfen. Sind keine Immunzellen im Tumor vorhanden, scheint auch die Behandlung mit Checkpoint-Antikörpern nicht zu wirken.

Was bedeutet PD-1, PDL-1, CTLA-4?

PD-1, PDL-1 und CTLA-4 sind einfach nur Namen von Kontrollpunkten (Checkpoints) des Immunsystems. Es gibt noch viel mehr dieser Checkpoints, z.B. OX40, LAG-3 und noch weitere, die sich noch in Studien befinden.

PD-1 wird auf Immunzellen ausgebildet (exprimiert) und dient der natürlichen Regulation der Immunantwort, damit diese nicht überschießt und sich dadurch neue Erkrankungen entwickeln. Prinzipiell benötigt jede Immunantwort einen Gegenspieler, der das Immunsystem auf ein notwendiges Maß reduziert, da sonst auch gesunde, körpereigene Zellen erkannt und eliminiert werden. Ein gesundes Immunsystem findet also die Balance zwischen Anregung und Hemmung.

Die Empfänger (Liganden) von PD-1 heißen PD-L1 und PD-L2 und sitzen auf der Oberfläche z.B. von Tumorzellen. Bindet PD-1 an einen dieser Liganden, so führt dies zur Inaktivierung der Immunzelle und dadurch wird verhindert, dass der Tumor angegriffen wird.

CTLA-4 verhindert, dass das körpereigene Immunsystem diejenigen T-Zellen herstellt, die den Tumor erkennen und angreifen können. Damit sollen im Normalfall Autoimmunerkrankungen verhindert werden.

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