GIST FORUM FULDA
Vor mehr als fünf Jahren trafen wir uns in einer kleinen Initiativgruppe, um die Informationssituation der GIST-Patienten im deutschsprachigen Raum zu verbessern. Aus der damaligen Vision einer „GIST-Patientengemeinschaft" entstand - durch eine einmalige Zusammenarbeit von Patienten, Nicht-Betroffenen, GIST-erfahrenen Medizinern aller Fachrichtungen und Vertretern der forschenden Pharmaunternehmen - das heutige Lebenshaus. Seit Gründung - im Juni 2003 - haben wir für Patienten und ihre Familien viel verändert und viel erreicht - vor allem auf dem Gebiet der Informationsvermittlung. Zu unserem 1. GIST-Forum im Jahr 2003 - in Heidelberg - kamen damals 55 Patienten, Experten und Angehörige. Die Teilnehmerzahlen der nationalen GIST-Foren stiegen dann jährlich bis zu diesem 4. GIST-Forum auf 200 Teilnehmer. Damit war die zweitägige Veranstaltung 2007 im Esperanto-Hotel in Fulda das größte Treffen von GIST-Patienten und Begleitern, das bisher weltweit durchgeführt wurde. Am Freitagnachmittag finden - inzwischen traditionell - die Vorträge der GIST-Experten statt und am Samstagvormittag Vorträge, Workshops und Experten-Inseln zu erkrankungsrelevanten und -ergänzenden Themen.
In einem speziellen Pre-Meeting am Freitag - also einem Workshop vor dem eigentlichen GIST-Forum - wurde GIST-Basiswissen vermittelt. Hier konnten neudiagnostizierte Patienten die „GIST-Basics" lernen oder erfahrene Betroffene ihr Wissen auffrischen. Ziel der 75-minütigen Veranstaltung von Dr. Marcus Schlemmer und dem Vereinssprecher Markus Wartenberg war es, den etwa 90 Teilnehmern eine verständliche Einführung und Informationsbasis für die am Nachmittag folgenden Fachvorträge zu geben. Dr. Marcus Schlemmer, GIST-Experte aus dem Münchener Uniklinikum Großhadern, engagiert sich seit dem 1. GIST-Forum - wie alle Referenten - ehrenamtlich, „selbstverständlich und sehr gerne!" für das Lebenshaus. Dr. Schlemmer erläuterte in lebendigen und klaren Worten das medizinische Basiswissen vor allem im Bereich der medikamentösen Therapien: „Während die durchschnittliche Überlebenszeit eines Patienten mit metastasierter Erkrankung vor Imatinib (Glivec®) bei 19 Monaten lag, gibt es heute viele Patienten, denen es seit über 70 Monaten unter dieser medikamentösen Therapie gut geht. Und wir als Onkologen trauen der Substanz noch viel mehr zu! Doch auch für die Betroffenen mit fortschreitender Erkrankung (Progress) steht seit Juli 2006 eine zugelassene Zweitlinien-Therapie zur Verfügung: Sunitinib (Sutent®) - ist für viele ein zweiter wichtiger Meilenstein der Hoffnung auf ihrem Weg im Kampf gegen GIST," so Schlemmer weiter.
- Das Lebenshaus e.V. will durch engagierte Informations- und Kommunikationspolitik bei GIST (Gastrointestinale Stromatumoren)
- die Informationssituation der Betroffenen verbessern, (Stichwort Patientenkompetenz)
- dazu beitragen, die Behandlungsqualität zu optimieren,
- und die Interessen der betroffenen Familien vertreten.
- Der Verein bietet den Betroffenen eine Gemeinschaft für die „Hilfe zur Selbsthilfe" in der Bewältigung ihrer Erkrankung.
- Das Lebenshaus e.V. leistet seinen Beitrag zu den weltweiten Bemühungen, die Krebserkrankung GIST heilbar zu machen..."
Danach begann die Vortragsrunde der GIST-Experten mit dem Vortrag von Fr. PD Dr. Eva Wardelmann aus Bonn. Sie nahm das Auditorium mit auf eine lebendige Reise durch die pathologische Welt der GIST. Ihr Vortrag „GIST-Zellen und Exons auf der Spur!" begann mit der Überschrift „Pathologen - mehr als postmortale Klugscheißer". Den Zuhörern wurde sehr schnell klar, dass Pathologen etwas anderes sind als Gerichtsmediziner und sich diese Ärzte mit der Pathologie - also den krankhaften Veränderungen der Zellen, Geweben und Organen - beschäftigen. Zu den Aufgaben des Pathologen gehören sowohl die exakte morphologische, also pathologische Diagnosestellung, als auch Beiträge zur Prognosebeurteilung. Eine korrekte Behandlung hängt von der - aus dem Gewebe - bestimmten Krebsart ab. Somit ist der Pathologe eine Art „Lotse der Diagnostik und davon abhängig der Therapie bei GIST". Viele Pathologen können heutzutage GIST diagnostizieren, aber das Verhalten von GIST vorauszusagen ist sehr schwierig - hier zählt viel Erfahrung. So sind derzeit nicht viele Pathologen im deutschsprachigen Raum überhaupt in der Lage, eine Mutationsanalyse bei GIST (Exon-Bestimmung) durchzuführen: Da mag die Bestimmung einer Primärmutation Exon 11 und Exon 9 von c-KIT teilweise noch möglich sein; jedoch ist weit mehr Expertise notwendig, um Mutationen in PDGFRA oder Sekundärmutationen unter Progress festzustellen.
- Nimmt der Patient regelmäßig sein Medikament (Therapie-Treue)?
- Ist überhaupt eine Progression im klaren Sinne bestätigt?
- Stimmt die histologische Diagnose GIST überhaupt?
- Besteht Gefahr für den Patienten - muss man unmittelbar handeln?"
Bezüglich klinischer Studien bei Progress gibt es derzeit im deutschsprachigen Raum zwei Optionen:
- Secondline: Progress unter 400mg Imatinib: Studie mit eine Kombination von 600mg/Tag Imatinib und dem Wirkstoff 2,5mg/Tag RAD001
- Thirdline: Progress nach Imatinib und Sunitinib: Studie mit 800mg/ Tag AMN107 (Nilotinib, Tasigna®) im Vergleich zu Best Supportive Care.
Zu beiden Studien finden interessierte Betroffene ausführliche Informationen
im letzten INFORM Nr. 5/6 und im neuen GIST-Patientenratgeber.Dem Blick auf die Gegenwart folgte der Blick in die Zukunft: LHBeiratsmitglied Dr. Sebastian Bauer vom Westdeutschen Tumorzentrum Essen stellte die wichtigsten Forschungsansätze dar und erklärte die Fragestellungen bei GIST, auf welche die Wissenschaft versucht Antworten zu finden. Derzeit sind weltweit etwa 30 Substanzen mit verschiedenen Konzepten und Wirkansätzen in klinischen Studien: Insgesamt für alle GIST-Betroffenen eine große Hoffnung, dass in der weltweiten GIST-Forschung so viel passiert. Eine Zusammenfassung des Vortrages von Dr. Bauer durch unseren Vereinssprecher Markus Wartenberg finden Sie im nächsten INFORM Nr. 8 - Ende des Jahres.
bieten. Aber auch „interne Veränderungen" wie z.B. Rückzug, Nachdenken und aktive Um-/Neugestaltung des bisherigen Lebens können - wie bei Friedemann Ziegler - Bewältigungsstrategien sein. Er findet seine Lebenskraft heute in der Malerei, in der Musik und durch seine Begleiterin (Ehefrau) Kyra. Andere Patienten wiederum - finden „ihren Halt" in der Familie, der Religion oder in ganz anderen - neuen - Aktivitäten. Zwei wesentliche Aspekte konnten alle sicherlich mitnehmen:
1. Sollte man selbst das Gefühl haben, mit der Erkrankungssituation nicht zurecht zu kommen, sollte man sich nicht scheuen - externe Hilfe - in welcher Form auch immer - zu suchen und anzunehmen. Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt darüber...
2. Nicht jede Strategie oder Methode hilft jedem. Manchmal muss man auch etwas „experimentieren", um für sich die passende Unterstützung und Bewältigungsstrategie zu finden.
- Neueste, verständliche Information
- Experten „zum Anfassen", persönliche Probleme lösen
- Der persönliche Austausch mit Betroffenen
- Zuversicht, dass weltweit viel bei GIST geforscht wird
- Das Gefühl gut aufgehoben zu sein
Eine schönere und bessere Bewertung kann man sich nicht wünschen. Und dies ist gleichzeitig der beste Antrieb für den Vorstand und das LH-Team für die weitere Arbeit!
Unser großes Dankeschön gilt noch einmal allen Referenten und Experten sowie den beiden Firmen Novartis Oncology und Pfizer Oncology, ohne deren finanzielles Engagement die Durchführung des 4. GIST-Forum nicht möglich gewesen wäre.
