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NIERENKREBS

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Neues aus der Wissenschaft

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Im September fanden einige wichtige Kongresse rund um das Thema Nierenkrebs statt: vom Kongress der europäischen Gesellschaft für Onkologie (ESMO) in Madrid, über den Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Dresden bis hin zur Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie in Stuttgart. Die aus unserer Sicht wichtigsten Erkenntnisse dieser Veranstaltungen für Nierenkrebs-Patienten haben wir im Folgenden kurz zusammengefasst.

 

Kombination aus Nivolumab und Ipilimumab zeigt gute Ergebnisse bei der Behandlung von fortgeschrittenem Nierenkrebs

Für Aufregung sorgte bei allen Kongressen die Vorstellung der Ergebnisse der so genannten CheckMate 214 Studie. In dieser wurde die Wirksamkeit einer Medikamentenkombination aus zwei sogenannten immunonkologischen Wirkstoffen untersucht.Verglichen wurde mit dem derzeitigen Standardmedikament zur Behandlung von metastasiertem Nierenkrebs. Alle teilnehmenden Patienten wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe erhielt eine Kombination aus Nivolumab (Opdivo) und Ipilimumab (Yervoy) die andere wurde mit Sunitinib (Sutent) behandelt.

Sowohl Sunitinib wie auch Nivolumab sind bereits zur Behandlung von Nierenkrebs zugelassen. Neu ist jedoch die Kombinationsgabe und das in der so genannten Erstlinie, also als erste medikamentöse Therapie nach Diagnose einer fortgeschrittenen Erkrankung.

Wie Dr. Bernard Escudier beim ESMO berichtete war die Behandlung mit der Medikamentenkombination überaus erfolgreich. So zeigte sich für die Patienten unter Kombinationstherapie insgesamt ein Überlebensvorteil gegenüber dem Standardmedikament. Auffällig war dabei jedoch, dass Patienten der verschiedenen Risikogruppen unterschiedlich gut auf die Behandlung ansprachen.

Risikogruppen

Der Vorteil im Gesamtüberleben ging hauptsächlich von den Patienten aus, die vor Studienbeginn ein mittleres oder hohes Risiko hatten. Wichtig: Patienten mit geringem Risiko zeigten unter der Behandlung mit Sunitinib bessere Ergebnisse. Für diese Gruppe scheint also das bisherige Standardmedikament die bessere Wahl. 

Bei Patienten, deren Zellen mehr eines bestimmten Stoffes des Immunsystems freisetzten, dem so genannten PD-L1, scheint die Wirksamkeit der Therapie ebenfalls höher. So zeigte sich bei 9% der Patienten, die nur wenig PD-L1 bilden ein vollständiger Rückgang der Erkrankung nach Behandlung mit der Medikamentenkombination aus Nivolumab und Ipilimumab. In der Gruppe mit PD-L1 Freisetzung von mehr als 1% waren sogar bei 16% der Probanden keine Anzeichen der Erkrankung mehr nachweisbar. Auch die Ansprechrate auf die Behandlung und die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung waren in der Gruppe mit höherem PD-L1 jeweils besser.

Was bedeutet dies für Patienten?
Die Studienergebnisse aus CheckMate 214 verdeutlichen wieder einmal wie wichtig es ist, dass nach der Diagnose eine so genannte Risikoklassifizierung erfolgt. Gerade in der Gruppe für Patienten mit mittlerem und hohem Risiko scheint die Kombination aus Nivolumab und Ipilimumab eine Alternative als Erstlinien-Therapie zu sein. Für die Mehrheit der Patienten mit geringem Risiko sind dagegen die bisherigen Standardtherapien wohl die bessere Wahl.

Auffällig war in der Studie auch, dass gerade unter Medikamentenkombination häufig Nebenwirkungen (Grad 3 und 4) auftraten. Patienten in dieser Gruppe mussten teilweise mit Steroiden behandelt werden, um die unerwünschten Wirkungen zu mildern. Ein erfahrenes Ärzteteam und ein gutes Nebenwirkungsmanagement sind hier also essentiell wichtig.

Die Kombination aus Nivolumab und Ipilimumab ist derzeit für die Behandlung von Nierenkrebs noch nicht zugelassen. Aufgrund der unterschiedlichen Ergebnisse in den verschiedenen Risikogruppen, ist eine nähere Untersuchung der Subgruppen vor einer Zulassung notwendig. Optimistisch gesehen rechnen Experten mit einer Zulassung in Deutschland im Laufe des Jahres 2018.

Weitere Informationen zu den Ergebnisse von CheckMate 214 finden Sie (auf Englisch) unter: 
http://www.esmo.org/Conferences/ESMO-2017-Congress/News-Articles/Nivolumab-Plus-Ipilimumab-versus-Sunitinib-in-First-Line-Treatment-for-Advanced-or-Metastatic-RCC


S-TRAC – Sunitinib zur vorsorglichen Behandlung nach Nierenkrebs-OP

Bei vielen Krebsarten wird direkt nach der Entfernung des Tumors eine vorsorgliche Therapie durchgeführt, um ein Wiederauftreten der Erkrankung zu verhindern oder hinauszuzögern. Dies wird von Medizinern adjuvante Therapie genannt. Für Nierenkrebs gibt es derzeit leider noch keine derartige Behandlung. In der S-TRAC Studie soll nun untersucht werden, ob Sunitinib eventuell ein Medikament für eine adjuvante Therapie sein könnte.

Da es wie gesagt derzeit noch keine vorsorgliche medikamentöse Behandlung bei Nierenkrebs gibt, wurde Sunitinib in der Studie mit einem Placebo verglichen. Patienten mit mittlerem und hohem Risiko wurden also vorsorglich 12 Monate lang mit Sunitinib oder mit einem Placebo behandelt.

Bereits im vergangenen Jahr wurden auf dem ESMO erste Ergebnisse der Studie vorgestellt. Dabei zeigte sich, dass die adjuvante Einnahme von Sunitinib die Zeit bis zum Weiderauftreten der Erkrankung bei Patienten mit mittlerem und hohem Risiko verringern konnte. Jedoch machte sich die Therapie mit Sunitinib nicht im Gesamtüberleben bemerkbar. Auffällig war auch eine recht hohe Zahl (60,4%) an schweren Nebenwirkungen.

In diesem Jahr wurden aktualisierte Studiendaten präsentiert. Auch zum Ende des 12-monatigen Testzeitraumes lagen immer noch erhebliche Nebenwirkungen vor. So hatten nach einem Zeitraum von 9 Monaten ca. 30% der Teilnehmer die Studie aufgrund von Nebenwirkungen abgebrochen. Nach einem Jahr stieg diese Zahl auf 44%, also fast jeden Zweiten.

Was bedeutet dies für den Patienten?
Momentan ist noch nicht klar, ob die vorsorgliche Behandlung mit Sunitinib das Leben von Nierenkrebs-Patienten verlängern kann. Jedoch scheint das Medikament die Zeit bis zum Weiderauftreten des Krebses zu verlängern. Allerdings verbunden mit häufigen Nebenwirkungen. Die Zulassung von Sunitinib für die adjuvante Therapie ist bereits beantragt. Ob und wann das Medikament jedoch für die adjuvante Situation zugelassen wird ist derzeit noch unklar. Die Entscheidung einer adjuvanten Therapie im Falle einer Zulassung sollte der Patient zusammen mit dem Arzt ganz bewusst und kritisch treffen. Wichtig dabei ist eine gute Aufklärung über die zu erwartenden Wirkungen und Nebenwirkungen.


CABOSUN: Cabozantinib oder Sunitinib als Erstlinien-Therapie?

Ebenfalls in 2016 schon einmal vorgestellt wurden die Ergebnisse der CABOSUN Studie. In diesem Jahr gab es dazu ein Update. Die Phase II Studie verglich Cabozantinib mit Sunitinib als erste Therapie bei metastasierten Nierenkrebs-Patienten mit mittlerem oder hohem Risiko.

Die vorläufigen Ergebnisse aus dem vergangenen Jahr wurden dabei bestätigt: Die Zeit in der die Erkrankung nicht voranschreitet (genannt progressionsfreies Intervall) war unter der Behandlung mit Cabozantinib länger, als unter Therapie mit Sunitinib. Auch das Ansprechen unter Cabozantinib war höher als in der Sunitinib-Gruppe.

Was bedeutet das für die Patienten?
Die Studienergebnisse lassen vermuten, dass Cabozantinib eine mögliche Alternative zur Erstlinien-Behandlung mit Sunitinb sein könnte. Allerdings lagen auch hier bei vielen Patienten starke Nebenwirkungen vor. Ein gutes Nebenwirkungsmanagement wäre also unerlässlich. Außerdem handelt es sich bei CABOSUN um eine kleinere Phase II Studie. Die Ergebnisse müssen in einer Phase III Studie mit einer größeren Patientenzahl bestätigt werden. Daher steht dieser Wirkstoff metastasierten Nierenkrebs-Patienten weiterhin erst nach Versagen von mindestens einer medikamentösen Vor-Therapie zur Verfügung.

Aufeinander folgende Medikamentengabe: 
Sequenzielle Konzepte

Um die Nebenwirkungen der Kombinationstherapien zu mindern wird derzeit versucht, die Medikamente nicht gleichzeitig, sondern in einer bestimmten Reihenfolge nacheinander zu verabreichen. Einen derartigen Ansatz verfolgt die TITAN RCC-Studie: zeigt die Behandlung mit Nivolumab in der Erstlinie nicht den gewünschten Effekt, wird die Therapie mit Ipilimumab erweitert.

Die Studie NIVOSWITCH geht ebenfalls in eine ähnliche Richtung. Dabei erhalten Patienten eine Erstlinientherapie mit Sunitinib bzw. Pazopanib. Bereits nach zwölf Wochen wird die Behandlung planmäßig auf eine immunonkologische Therapie mit Nivolumab umgestellt. Dies auch bei Patienten mit Therapieansprechen, also stabiler Erkrankung oder teilweiser Remission.

Egal, ob die Medikamente nun gleichzeitig oder nacheinander verabreicht werden, Experten erhoffen sich von den neuen Sequenz- und Kombinationstherapien einen breiteren Einsatz wirksamer Medikamente bei Nierenkrebs.

Quellen:

Fit durch den Herbst mit vitamingeladenen Smoothie...
Methadon in der Behandlung von Krebs?

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Dienstag, 21. November 2017

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