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Aktuelles

Zulassung von Olaratumab (Lartruvo®) in Kombination mit Doxorubicin bei fortgeschrittenen Weichgewebesarkomen

Olaratumab ist ein so genannter (humaner IgG1) monoklonaler Antikörper und gehört damit zur „neueren“ Generation von Krebsmedikamenten. Er ist der erste seiner Klasse, der für die Therapie von Weichgewebesarkomen zugelassen wurde. Für den Olaratumab wurde inzwischen auch das Nutzenbewertungsverfahren nach § 35a SGB V durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) abgeschlossen. Nach diesem Verfahren wurde Olaratumab ein „beträchtlicher“ Zusatznutzen zuerkannt.

Kombinationstherapie überlegen

Der Wirkstoff wird dann eingesetzt, wenn für Patienten mit fortgeschrittenen Weichgewebesarkomen eine Operation oder die Strahlentherapie nicht infrage kommt. Olaratumab wird in Kombination mit Doxorubicin gegeben. Doxorubicin ist - wie das chemisch sehr ähnliche Daunorubicin - ein Zytostatikum (Chemotherapie) aus der Gruppe der Anthracycline. Doxorubicin wird schon lange in der Therapie etlicher Sarkom-Subtypen eingesetzt.

Im Rahmen der Phase II-Studie, die zur Zulassung führte, zeigte sich die Kombinationstherapie Olaratumab PLUS Doxorubicin gegenüber der alleinigen Behandlung mit Doxorubicin deutlich überlegen, vor allem im Hinblick auf das so genannte Gesamtüberleben. Damit ist eine Verlängerung des Lebens unabhängig von der Entwicklung, die die Krankheit nimmt, gemeint. Diese Verlängerung des Gesamtüberlebens führte zur Zulassung von Olaratumab sowohl in Europa (EMA) als auch in den USA (FDA).

Ungewöhnliches Therapieschema

In der zulassungsrelevanten Phase II-Studie wurde der neue Wirkstoff in Kombination mit Doxorubicin über 8 Zyklen gegeben. In Deutschland ist es jedoch üblich, Doxorubicin nur über 6 Zyklen zu geben, um mögliche Herzschäden zu vermeiden. In der Studie bekamen Patienten ab dem fünften Zyklus das so genannte „Zytoprotektivum“ Dexrazoxan, um Herzschädigungen vorzubeugen. Dexrazoxan (auch Eucardion) ist ein Arzneistoff, der bei der Chemotherapie mit Anthracyclinen eingesetzt wird, um deren zytotoxische Wirkung zu mindern. Die Verbindung wurde bereits 1964 entdeckt und findet seit den 1990er Jahren als Zytoprotektivum Anwendung. Wie Dexrazoxan das Herz schützt ist bis heute nicht wirklich verstanden. Das Medikament ist in Europa erhältlich unter dem Namen Cardioxane® und wird in 250mg und 500mg Violen für Injektionen angeboten.

Bedingte Marktzulassung

Die Zulassung von Olaratumab erfolgte auf Basis einer Phase II-Studie. Normalerweise werden Medikamente in der Regel auf Basis von Phase III-Studiendaten zugelassen. Allerdings waren die Daten in der Phase II-Studie so überzeugend, dass die Zulassung dennoch erfolgte, allerdings mit bestimmten Auflagen. Dazu gehört die Durchführung einer Phase III-Studie, in welcher Nutzen und Risiken von Olaratumab erneut untersucht und ausgewertet werden – sobald Ergebnisse vorliegen, entscheidet die EMA über die Aufrechterhaltung der Zulassung.

Bekannter Wirkmechanismus

Olaratumab erkennt und bindet spezifisch an ein Protein, das als Thrombozyten-Wachstumsfaktor-Rezeptor-α (PDGFR-α) bekannt ist. Große Mengen von PDGFR-α kann man auf bestimmten Krebszellen finden, diese regen dort Wachstum und Teilung der Zellen an. Wenn Olaratumab an PDGFR-α bindet, kann es verhindern, dass die Krebszellen weiter wachsen und sich teilen können.

Praktischer Einsatz

Olaratumab ist ein 10 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung. Das Konzentrat ist eine klare bis leicht opaleszierende und farblose bis leicht gelbliche Lösung ohne sichtbare Partikel. Ein ml (Milliliter) des Konzentrates zur Herstellung einer Infusionslösung enthält 10 mg Olaratumab. Jede 19 ml Durchstechflasche enthält somit 190 mg Olaratumab. Jede 50 ml Durchstechflasche enthält somit 500 mg Olaratumab.

Die empfohlene Dosierung von Olaratumab ist 15 mg/kg Körpergewicht und wird mittels intravenöser Infusion an Tag 1 und 8 eines jeden 3-wöchigen Zyklus bis zum Fortschreiten des Tumorwachstums (Progress) oder bis zum Auftreten nicht akzeptabler Nebenwirkungen verabreicht. Olaratumab wird in Kombination mit Doxorubicin für 3 bis zu 8 Zyklen der Behandlung verabreicht, gefolgt von Olaratumab Monotherapie bei Patienten, deren Erkrankung nicht fortgeschritten ist. An Tag 1 jedes Zyklus wird im Anschluss an die Olaratumab-Infusion Doxorubicin gegeben. Führende Sarkom-Experten in Deutschland empfehlen, sich an das Therapie-Konzept der Phase II Studie zu halten. Das heißt wie eingangs beschrieben 8 Zyklen Kombinationstherapie + Dexrazoxan ab dem 5. Zyklus zum Schutz des Herzens.

Zusammenfassung Nebenwirkungen

Mit Olaratumab behandelte Patienten aus der Phase 2 Studie: Im Behandlungsarm Olaratumab plus Doxorubicin waren die meisten schwerwiegenden (Grad ≥ 3) Nebenwirkungen Neutropenie (54,7 %) und muskuloskelettale Schmerzen (7,8 %). Die am häufigsten auftretenden Nebenwirkungen waren Übelkeit, muskuloskelettale Schmerzen, Neutropenie und Mukositis. Die häufigsten Nebenwirkungen, die zum dauerhaften Behandlungsabbruch führten [bei 3 Patienten (4,7 %)], waren infusionsbedingte Reaktionen (3,1 %) und Mukositis (1,6 %). Die für Doxorubicin bekannten Toxizitäten, die in der Kombination von Olaratumab und Doxorubicin beobachtet wurden, beinhalteten Müdigkeit, Anämie, Thrombozytopenie und Alopezie.

Unsere Empfehlung

Die Erfahrungen mit Olaratumab sind – auch in Deutschland – noch relativ jung. Daher empfehlen wir Sarkom-Patienten, die sich für die Therapie interessieren oder diese sogar anwenden sollen: Kontaktieren Sie führende Sarkom-Zentren in Deutschland und führen Sie die Therapie idealerweise dort durch. Zum einen kommen Ihnen als Patient die Erfahrungen der Experten zu Gute. Zum anderen können die führenden Zentren weitere Erfahrungen mit Olaratumab sammeln und sogar dokumentieren, die dann wiederum allen Patienten nutzen. Sollten Sie Fragen haben oder Unterstützung benötigen – kontaktieren Sie uns einfach.

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