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Methadon in der Behandlung von Krebs?

Diese Frage wird seit Monaten heiß diskutiert. Anlass waren Berichte in verschiedenen Medien, die Methadon eine positive Wirkung als zusätzliches Medikament zur Chemotherapie bei Krebserkrankungen zuschrieben. Diese Medienberichte haben nicht nur viele Fragen aufgeworfen, sondern auch zu hohen und unrealistischen Erwartungen geführt.

Inzwischen gibt es klare Stellungnahmen von Ärzten und Ärzteverbänden zu diesem Thema: Methadon darf und sollte zum aktuellen Zeitpunkt nicht für Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt werden.

Dieser Meinung schließen wir uns als Patientenvertreter des Lebenshauses an. Warum?

Was ist Methadon und wie kommt es zum Einsatz?

Methadon ist ein Opioid, also ein starkes Schmerzmittel. Es wird u.a. als Drogenersatztherapie bei Heroin-Abhängigen eingesetzt, aber auch bei Patienten, die unter starken Schmerzen leiden. Dazu gehören auch Krebspatienten. Ziel einer Behandlung mit Methadon ist dann, die Schmerzen zu lindern, nicht aber, den Tumor zu bekämpfen.

Methadon als Krebstherapie – wo stehen wir?

Im Frühjahr 2017 wurden Untersuchungen veröffentlicht, die Hinweise darauf geben, dass Methadon das Ansprechen auf eine Chemotherapie verbessern („in vitro“, also Tests im Labor) und bei Patienten mit Gliomen (Hirntumoren) vorteilhaft sein könnte. Allerdings wurden von Fachleuten einige Mängel im Studiendesign, der Beschaffenheit, aber auch bzgl. des Umfangs der Studie festgestellt.

Diese Untersuchungen sind richtig und wichtig, denn sie können Hinweise geben, die im Rahmen von Studien weiterverfolgt werden sollten. Allerdings können und dürfen sie nicht dazu führen, dass Methadon breit bei Krebspatienten eingesetzt wird.

Um die Wirksamkeit und die Sicherheit eines neuen Medikaments oder auch eines bekannten Medikaments bei einer neuen Erkrankung zu belegen, müssen umfangreiche klinische Studien durchgeführt werden. Sie schließen oftmals – je nach untersuchter Erkrankung – hunderte bis mehrere tausend Patienten ein. Das ist wichtig, denn nicht nur die Wirksamkeit muss bewiesen sein. Auch Nebenwirkungen, die mit z.T. großen Risiken einhergehen, müssen eingehend untersucht werden. In einer abschließenden Abwägung von Risiken und Nutzen des Medikaments wird eine Zulassung erteilt – oder eben auch nicht.

Bisher ist es nicht gelungen, die Ergebnisse der oben genannten Untersuchung(en) zum Einsatz von Methadon bei Tumorerkrankungen in anderen Studien nachzuvollziehen. Vielmehr wurde z.T. ein größeres Risiko für Patienten festgestellt, die zusätzlich zu Chemotherapie Methadon erhielten. Aber auch diese Ergebnisse müssen weiter untersucht werden.

Methadon in Kombination mit anderen Krebs-Medikamenten: Bisher unerforscht!

Oftmals erhalten Patienten keine klassische Chemotherapie (Zytostatika). So auch viele GIST- und Nierenkrebspatienten. Sie werden häufig mit so genannten zielgerichteten Medikamenten, z.B. mit (m)TKIs ((Multi-)Tyrosinkinase-Inhibitoren) oder auch mit den neuen Immuntherapien behandelt. Derzeit gibt es keinerlei Erkenntnisse darüber, wie sich die gleichzeitige Einnahme von Methadon mit diesen Therapien auswirkt. Beispielsweise könnte der Therapieerfolg gefährdet werden, auch schwere Nebenwirkungen könnten die Folge sein.

Unsere Position als Patientenvertreter

Wir als Patientenorganisation setzen uns dafür ein, dass Betroffene schnell Zugang zu neuen, sicheren und wirksamen Therapien bekommen. Allerdings müssen die Voraussetzungen – belegte Wirksamkeit und Sicherheit – erfüllt sein. Dies ist bei Methadon als Zusatzbehandlung zu Chemotherapie bei Krebspatienten nicht der Fall.

Ausblick: Was geschieht weiter?

In den Medien wurde oftmals kritisiert, dass dieser Ansatz nicht weiterverfolgt werde, weil Methadon billig sei und damit keine großen Umsätze zu erwarten wären. Dies ist so nicht korrekt: Derzeit werden Pläne zur Untersuchung des Medikaments bei Patienten mit Hirntumoren von der Deutschen Krebshilfe geprüft. Darüber hinaus hat die Methadon-Diskussion Anlass dazu gegeben, dass die Politik sich mit dem Thema „stärkere Förderung nicht-kommerzieller Studien“ (wie dies bei Methadon der Fall wäre) beschäftigt.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Methadon nimmt einen wichtigen Stellenwert als Schmerzmedikament und in der Drogenersatztherapie ein. Derzeit ist der Einsatz von Methadon als Krebstherapie in Kombination mit Chemotherapie jedoch nicht ausreichend erforscht. Falls er trotzdem erfolgt, muss das unbedingt unter fachlicher ärztlicher Kontrolle geschehen oder im Rahmen von klinischen Studien.

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